WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Mittwoch,
6. November 2019
Zwei Beobachtungen vor meiner Tür:

1) Auf der Terrasse meint der Rosmarin im Blumentopf (noch ein Gruß aus Bardou) jetzt im gräuslich kalten und nassen November blühen zu müssen.

2) In diesem Herbst haben die Vögel aus den Sonnenblumen sämtliche Kerne schon vor drei Wochen restlos zusammengefressen, sich nichts für den Winter aufgespart (wie es im letzten Jahr der Fall war).

Was dürfen wir daraus schließen? Dass uns ein überaus milder Winter bevorsteht, in dem Rosmarin blühen darf und kein Vogel gefüttert werden muss?

Warten wir's ab (wir prüfen's im Februar).

 
Rosmarinblüte im November Reife Sonnenblumen (inzwischen leergefressen)
Rosmarinblüte im November Reife Sonnenblumen (inzwischen leergefressen)
   
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Donnerstag,
31. Oktober 2019
Die alten Tagebücher (47)

2. Oktober 1980

Bevor der Monat zu Ende geht, noch ein kurzer Ausschnitt aus den alten Tagebüchern. Das Häuschen im Moor, in das wir uns verliebt hatten und das für die kommenden sechs Jahre unsere schöne (und schwierige) Heimat werden sollte, stellt uns handwerkliche Aufgaben vielfältiger Art. Ich war in dieser Hinsicht immer Laie (bin's immer noch), aber es heißt ja, Schwierigkeiten seien dazu da, um überwunden zu werden.
Vier Stunden gemäht, etwas Holz gemacht, dann in der Küche gewerkelt. Die Arbeit verbindet mich mit dem Haus. In der Küche völlig verfaulte Fußbodenbretter entdeckt, darum das "Loch" beim Drübergehen. Werde morgen neue Bretter einsetzen. Die alten sind so morsch, dass ich sie mit dem Messer schneiden kann, das ist gut so, denn ich habe keine Stichsäge. (...)
In diesem Stil geht es die nächsten Einträge weiter. Hier noch ein Ausschnitt vom 11. Oktober:
(...) Beschäftigt mit Holzmachen, Schuppen-Aufräumen, Sensen, überhaupt Rumräumen, damit's gemütlich wird.

Viele kleine Probleme: dem Küchentisch müssen neue Füße gemacht werden, wir brauchen eine Waschmaschine, eine Dusche etc., wo kriegen wir z.B. Hühner her, wo Stroh, Kalk, Kohlen, wo Ziegen?*

Abbeizversuche am kleinen Fenster zwischen Küche und Vorraum. Viel Arbeit, Erfolg naja.
_________

* Aus den Ziegen wurden dann Schafe. Wenn man weiß (wir wussten's damals nicht), wie leicht und gern Ziegen aus ihrem Gehege ausbrechen, muss man sagen, dass das sicher eine gute Entscheidung war.
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Dienstag,
29. Oktober 2019
Im britischen Parlament, dem Unterhaus, ringt man seit Monaten bzw. Jahren um den Brexit: wann, wie oder ob er überhaupt stattfinden soll. Zwei Premierminister ( David Cameron und Theresa May) sind dabei schon auf der Strecke geblieben, der dritte, Boris Johnson, wird mit Sicherheit ebenfalls bald seinen Hut nehmen müssen, wenn man sich das Affentheater, das er und das britische Parlament derzeit aufführen, anschaut. Siehe auch mein Eintrag vom 8. September 2019

Apropos Affentheater: Passend zu den Vorgängen im Londoner Unterhaus wurde beim Londoner Auktionshaus Sotheby's vor drei Wochen ein Gemälde für den sagenhaften Preis von 9,9 Millionen Pfund (ca. 11,1 Millionen Euro) an einen unbekannten Käufer versteigert: das Devolved Parliament113 betitelte Bild des Malers Banksy (dessen wahre Identität ebenfalls nicht bekannt ist) zeigt das Unterhaus und seine Mitglieder beim Regieren. Ein genauer Blick auf das Bild erheitert den Beobachter britischer Politik.



Banksy: Devolved Parliament
      Banksy: Devolved Parliament
(Quelle: dazeddigital.com)
     

113 Devolved bedeutet soviel wie an eine niederere Instanz delegiert.
Devolution ließe sich auch als Gegenbewegung zu Evolution verstehen
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Sonntag,
27. Oktober 2019
Ich will kein aktueller politischer Blogger sein. Die heutige Landtagswahl in Thüringen veranlasst mich aber doch zu einem Kommentar. Genauer gesagt, ist es der Kommentar eines anderen, dem ich gerne etwas anfügen möchte, und zwar den Worten des CDU-Politikers Tankred Schipanski. Die CDU hat im Wahlkampf auf eine, wie Schipanski im Dlf-Interview am Wahlabend sagte, "bürgerliche Koalition der Mitte" gesetzt, das heißt ohne eine Koalition mit der AfD oder der Linken.

Nun ist es unterdessen aber soweit gekommen, dass sich in Deutschland diese bürgerliche Mitte in Selbstauflösung befindet, wie man an den Wahlergebnissen der SPD und zunehmend auch der CDU sehen kann. Außerhalb dieser "Mitte" aber fahren die Parteien immer höhere Gewinne ein. In dieser Situation spricht der CDU-Mann im Ernst davon, es sei für seine Partei klar: "mit den extremen Rändern am rechten und am linken Rand werden wir nicht zusammenarbeiten und nicht koalieren". Was die AfD betrifft, ist das natürlich in Ordnung, aber will er auch die andere Seite, die Linke mit 31 Prozent als "extremen Rand" ansehen?

Da muss man die Politiker der "bürgerlichen Mitte" vielleicht einmal auf die Realitäten hinweisen: Was rechte und linke extreme Ränder betrifft (gemeint sind AfD und die Linke, die Herr Schipanski auch gerne in einen Topf wirft), so haben diese zusammen (laut ARD-Hochrechnung von 22:11 Uhr, siehe rechts) einen Stimmenanteil von 54,4 Prozent.

Hallo? Sehen so Ränder aus?

Da wedelt der Schwanz mit dem Hund.

ARD-Hochrechnung von 22:11 Uhr am Wahlabend
      ARD-Hochrechnung von 22:11 Uhr am Wahlabend
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Freitag,
25. Oktober 2019
Die alten Tagebücher (46)

1. Oktober 1980

Nach ein paar Tagen in der Normandie, wo wir uns mit Freunden, die wir aus dem Kibbuz kannten, getroffen haben, ziehen wir in das kleine Häuschen im Moor bei Bad Aibling. Anderthalb Jahre des Reisens sind zu Ende.
Haus, Gde. Tuntenhausen, 1.10.80

Atemlose Tage, Schlag auf Schlag:

Nach Nachtfahrt von Paris Ankunft in München am 24. September, morgens. Gleich geht die Hektik los: wir suchen ein Auto, denken an einen R4, landen am nächsten Tag bei einem Volvo-Kombi (!) Ein wunderschönes Schiff, leicht angegraut, aber sehr würdig. Baujahr '73, 145.000 km, 3000,- Mark, die C. bezahlt hat. Langsam kriege ich Hemmungen wegen dem Leben auf ihre Kosten. Aber einen Job, wo ich 300,- Mark pro Tag verdiene, muss ich erst noch finden.

Einzug ins neue Haus, alles furchtbar aufregend, aber wir sind sehr glücklich. Viele Transporte, etwas Hektik, "das Land" schlägt auch gleich zu: Hornissennest am Haus. Ich bin diesen Dingen gegenüber etwas unempfindlicher als C. Ihr macht auch das Plumpsklo Probleme, holen deshalb bei B. in Velden ein Chemo-Camping-Klo ab. Weiß noch nicht so recht.

Gleich angemeldet auf der Gemeinde, Wohnort im Pass in "Tuntenhausen" geändert, was für ein Name!

Draußen warten über 5000 Quadratmeter verwilderte Wiese, dass wir etwas draus machen, im Haus ist einiges zu tun, wir müssen uns einrichten ... ich glaube, die Zeit wird gut.

Bedingungen: Miete 500,- Mark monatl., Oktober noch mietfrei, Mietvertrag von Atoni für drei Jahre.

Die neue Anschrift lautet:

Nr. 21
8019 Haus

oder

Haus Nr. 21
8019 Ostermünchen

oder

Haus 21
8019 Tuntenhausen

oder

Nr. 21
8019 Haus/Ostermünchen

oder

Nr. 21
Haus
8019 Ostermünchen
(das klingt am richtigsten!)

......

(Vielleicht sollte ich mal auf dem Postamt nachfragen, was die dazu meinen)

Jedenfalls, die Telefonnummer ist klar: 08067/356. Gestern morgen war ein freundlicher dicker Mensch da, der das Telefon wieder in Gang gesetzt hat.

C. ist gestern nach Hamburg gefahren (mit dem "Schiff"), Zeug holen, vielleicht auch, um dort ein paar Tage zu arbeiten.

Ich habe eine Taxinacht hinter mir, anschließend lange Arie, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder hier raus zu kommen: U3 ab Olympiazentrum um 520, S4 ab Marienplatz 547 (das sind 5 MVV-Streifen à 83 1⁄3 Pfg., also 4,17), Zug ab Grafing Bahnhof, 652, bis Ostermünchen 2,40 Mark, per Anhalter die drei Kilometer bis Haus, die Haustür kurz vor Viertel nach Sieben aufgesperrt, das Auto hatte ich kurz vor fünf in die Garage gestellt ...

abends

Schlaf der Erschöpfung bis 6 Uhr abends, dann aufstehen und einsames Essen. Komme noch nicht ganz mit dem Alleinsein hier zurecht, bin da aber sehr zuversichtlich, vor allem angesichts der Arbeit, die auf mich wartet.

(...)

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Montag,
21. Oktober 2019
Zum Abschluss der Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfond hat IWF-Direktorin Kristalina Georgieva die in Deutschland geplanten Investitionen in den Klimaschutz begrüßt. Es sei positiv, wenn man in dieser Weise fiskalische Spielräume nutze, um die Konjunktur zu stützen (siehe die Meldung im Dlf vom gestrigen Sonntag).

Die Konjunktur ist es also, was die Politiker umtreibt. Gleichzeitig veröffentlicht der Blog Datawrapper eine visualisierte Zusammenfassung der Folgen der Klimaerwärmung bis zum Jahr 2100 (siehe rechts, Grafik anklicken), differenziert nach den Graden, die die Erwärmung erreicht, zwischen einem und fünf Grad Celsius, verglichen mit dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Als wahrscheinlichste Zahl wird eine Erwärmung um 3,2 Grad angesehen. Schaut man sich das an, kann man sich vor seinen Enkeln und Urenkeln nur noch schämen.

Außerdem bringt die taz noch einen Artikel über alte weiße Männer, denen Greta Thunberg nicht sexy genug ist. Unglaubliches steht da drin.

Datawrapper - weekly chart
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  Und noch einen herzlichen Dank an die Besucher meiner Lesung vom 18.10.
( s.u.) Es war ein schöner und für mich sehr erfreulicher Abend (für euch hoffentlich auch).
  Lesung in der Kratzbürste, 18.10.19
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Montag,
14. Oktober 2019
Zwei Meldungen der letzten Tage veranlassen mich zu Kommentaren.

Erstens: Heute, 14. Oktober:

Bundesregierung schließt Huawei nicht von 5G-Netz aus

Dazu fällt mir das Theaterstück von Max Frisch aus dem Jahr 1958 ein: Biedermann und die Brandstifter. In dem Stück lädt ein Fabrikant (Gottlieb Biedermann) zwei undurchsichtige Gestalten in sein Haus ein, erlaubt ihnen auf dem Dachboden zu übernachten, sieht, wie sie Fässer mit Benzin anschleppen und reicht ihnen zum Schluss noch die Streichhölzer. In dem folgenden Brand geht die ganze Stadt zugrunde.
Max Frisch charakterisierte später die Figuren der Brandstifter als Dämonen, geboren aus Gottlieb Biedermann selbst: aus seiner Angst, die sich ergibt aus seiner Unwahrhaftigkeit.112

China kennt keine Trennung zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen und dem Parteiapparat samt Geheimdiensten. Wie sehr vertrauen wir China? So wie Biedermann den beiden Gesellen auf seinem Dachboden?


Zweitens: Freitag, 11. Oktober:

Mit Bakterien belastete Milch

Das mit Abstand größte deutsche Molkereiunternehmen, das Deutsche Milchkontor mit Sitz in Zeven (zwischen Bremen und Hamburg) musste eine Partie fettarmer Frischmilch zurückrufen wegen Verunreinigung mit Bakterien, die zu Magen-Darm-Erkrankungen führen können. Abnehmer der Milch sind in erster Linie die Discounter Lidl, Aldi, Metro, Rewe u.a., also die Billigheimer, meine speziellen Freunde (siehe dazu meine früheren Beiträge zum Thema Dumpingpreise vom 16.11.2015, 22.12.2015 und 12.02.2016.

Meine spontane Reaktion: Wenn man mal einen Tag nicht mehr vom Klo runterkommt, wäre das vielleicht eine gute Gelegenheit, sein Kaufverhalten zu überdenken. Wer immer nur das Billigste sucht, darf sich über nichts wundern. Am besten wäre es, die Milch beim Bauern zu holen (die Keime, die man sich da einfangen kann, stärken nur das Immunsystem – Bauernkinder sind gesünder, wie Studien belegen).
112 siehe Wikipedia
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Donnerstag,
10. Oktober 2019
Wie im Vorjahr werde ich auch in diesem Jahr eine Lesung aus einem entstehenden Text halten. Dieses Mal handelt es sich um einen Roman, der im weitesten Sinn auf dem im Vorjahr vorgestellten Essay über "das Böse" fußt.

Die Handlung dreht sich um zwei Männer, die sich im Schwarzwald zu einer Wanderung verabreden. Dass sie ein Schicksal verbindet, weiß zu Anfang nur einer von ihnen. Der andere bekommt im Lauf des Wandertags eine Ahnung, dass seine vor zwanzig Jahren begangene Untat vielleicht nicht verborgen geblieben ist.

Den Anfang des 2. Kapitels habe ich vor einiger Zeit hier schon vorgestellt.

Die Lesung wird am Freitag, dem 18. Oktober, hier in der Kratzbürste stattfinden, um 20 Uhr.


Hier der Text der Einladung, die ich verschickt habe:

Liebe Freunde aus dem Kratzbürsten-Kinokreis,

wie im letzten Jahr werde ich auch in diesem Herbst eine Lesung aus meinem aktuellen literarischen Projekt veranstalten. Termin ist Freitag, der 18. Oktober um 20 Uhr im Kratzbürsten-Kino.

Dieses Mal lese ich aus einem Roman, der aus der Thematik des letztjährigen Essays über "das Böse" erwachsen ist. Es geht mir bei der Lesung weniger darum, eine komplette Handlung zu erzählen (zumal der Roman erst zu ca. zwei Dritteln fertig ist), sondern mehr, meinen Schreibstil vorzustellen, der teilweise auch experimentelle Züge trägt (keine Angst!)

Die Handlung dreht sich um zwei Personen, von denen einer eine Riesendummheit begeht, indem er auf einen Unfall noch ein Verbrechen draufsetzt, und der andere, der indirekt davon betroffen ist, sich in einen Hass hineinsteigert, aus dem er mit Hilfe eines Klosteraufenthalts wieder herausfindet.

Mehr dazu am Abend der Lesung. Über Euer zahlreiches Kommen würde ich mich sehr freuen.

Werner aus der Kratzbürste






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