WERNERS BLOG

(Links zu allen Einträgen: siehe linke Spalte)

Ein Klick auf die Bilder vergrößert sie
  Zeichnung: Wilhelm Busch


Dienstag,
11. August 2020
Wieder einmal habe ich Gelgenheit auf einem meiner Lieblingsthemen herumzureiten: dem Verschleudern von hochwertigen Lebensmitteln.

(Die bisherigen Beiträge: 16.11.15, 22.12.15, 12.2.16, 12.1.20)
 
Riesling aus der 'Steillage' Rückenetikett
Eine Flasche Riesling, eine der bekanntesten und besten deutschen Rebsorten. Rückenetikett
   
 

Die Etiketten auf der Vorder- und Rückseite weisen auf zwei Besonderheiten hin:

Steillage bedeutet, dass die Reben auf den besonders sonnenbegünstigten steilen Hängen der Flusstäler wachsen.

Hochgewächs ist eine speziell für den Riesling eingeführte Qualitätsbezeichnung. Der Wein muss in bestimmten Kriterien über dem Durchschnitt liegen.


Diese beiden Bezeichnungen haben quasi amtlichen Charakter und werden (hoffentlich) überprüft. Der Rest des Textes auf dem Rückenetikett ist übliche Verkäuferlyrik. Man würde also einen guten Wein erwarten, für den man auch etwas mehr hinblättern muss. Der Kassenzettel enthüllt die Katastrophe (für den Erzeuger).

Das Etikett weist den "Weinvertrieb Nahetal" als Lieferant und Abfüller aus. Ja, wessen Interessen vertritt dieser Weinvertrieb denn? Die der Winzer können es nicht sein. Ansonsten müsste man fragen, wie dumm man als Verkäufer eines solchen Weines (er schmeckt in der Tat recht gut) denn sein kann. Dieser "Weinvertrieb" ist also eine Agentur des Abnehmers, REWE in diesem Fall.

Leute, kauft euren Wein lieber direkt beim Winzer. Dann kann er noch ein paar Jahre überleben.
  Kassenzettel
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Sonntag,
9. August 2020
In einem Radiobericht (Sa., 8.8.20, 18:40) über das schwere koloniale Erbe Belgiens (siehe auch Kongogräuel in Wikipedia) höre ich den bemerkenswerten Satz:
Alles geht vorbei, außer der Vergangenheit
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Freitag,
31. Juli 2020

  Erste Sätze (32)


George Orwell, 1984 (1949)

Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn.
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Dienstag,
28. Juli 2020
Literarische Perlen (7)



W. G. Sebald
Das Roches Noires hat, soviel ich herausfinden konnte, in den fünfziger oder sechziger Jahren seinen Betrieb eingestellt und wurde danach in Appartements aufgeteilt, von denen sich allerdings nur die zum Meer hin gelegenen einigermaßen losschlagen ließen. Heute ist das ehemals luxuriöseste Hotel der normannischen Küste nur noch eine zur Hälfte bereits in den Sand gesunkene monumentale Monstrosität. Die meisten Wohnungen sind seit langem verlassen, ihre Besitzer aus dem Leben geschieden. Einige unzerstörbare Damen aber kommen nach wie vor jeden Sommer und geistern in dem riesigen Gebäude herum. Sie ziehen für ein paar Wochen die weißen Tücher von den Möbeln, liegen in der Nacht still aufgebahrt irgendwo in der leeren Mitte, wandern durch die weiten Korridore, durchqueren die immensen Säle, steigen vorsichtig einen Schuh vor den andern setzend, in den hallenden Treppenhäusern auf und nieder und führen am frühen Morgen ihre von Geschwüren durchwachsenen Pudelhunde und Pekinesen auf der Promenade spazieren.116
116 Sebald, W. G.: Ambros Adelwarth, in: Die Ausgewanderten. Vier lange Erzählungen, Frankfurt am Main 2002, S. 174 f.
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Samstag,
18. Juli 2020
Die alten Tagebücher (55)

7. April 1981

Die Hühnerhaltung zeigt ihre Schattenseiten. Karl-Heinz, der Hahn, muss dran glauben.
Schlimme Pflicht auf mich genommen: den Gockel geschlachtet. Hatte seit ein paar Tagen Probleme mit einem Fuß, hinkte zuerst nur leicht, wurde aber immer schlimmer, zuletzt praktisch gelähmt. Das Schlachten war scheußlich, Rupfen und Ausnehmen kaum besser. Ob er gegessen werden kann, weiß ich noch nicht, will erst Fido fragen.

Im Garten viel Arbeit, aber genau das habe ich mir gewünscht den ganzen Winter über.

Es ist wunderschön hier ...
später
Die Schlachterei verfolgt mich. Ich denke ständig, ob er nicht gelitten hat. Ich habe nämlich mehrere Schläge mit der Axt gebraucht, um den Kopf vollständig abzuschlagen. Besonders nach dem ersten Hieb hat sein Körper so wild gezuckt, und auch noch voller Kraft, dass ich nicht sofort nochmal zuschlagen konnte. Da vergingen etliche Sekunden, während denen er vermutlich noch gelebt und den Schmerz empfunden hat.

Ob die Entscheidung, den Karl-Heinz zu schlachten, nicht auch von einer unterschwelligen Lust beeinflusst war? Dieses schlimmste, äußerste Heilmittel als Verlockung, auch wenn es einen noch so davor graust. Mit der Entscheidung, Hühner zu halten, haben wir ja auch gleichzeitig die Entscheidung, Hühner zu schlachten, getroffen. Wir sind keine Vegetarier und darum war es für uns von vornherein klar, Tiere aus dem eigenen Bestand zu essen. Es gibt nur die beiden Möglichkeiten: sich an das Töten zu gewöhnen oder Vegetarier zu werden. Der dritte Weg, der Ausweg, das Schlachten dem Metzger zu überlassen und ihn dann noch dafür schief anzuschauen, missfällt mir. Wenn ich Fleisch esse, muss ich auch in der Lage sein, ein Tier umzubringen. (Und nicht bloß Fliegen!)

   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

Dienstag,
7. Juli 2020
Melde mich gehorsamst aus dem Urlaub im Paradies zurück. Der Begriff trifft in diesem Fall uneingeschränkt zu, denn, wie man weiß, ist das Paradies ein Zustand, in dem man sich (wie eine Figur aus einem meiner früheren Texte behauptet) um nichts zu kümmern braucht, dass dir alles geschenkt wird, dir die gebratenen Tauben ins Maul fliegen und du für nichts einen Finger zu rühren brauchst. Siehe den Eintrag vom 28. November 2015. Danke für alles, liebe Ingeborg.

Das Paradies befindet sich irgendwo im Piemont, Italien, wohin man seit Kurzem wieder reisen darf.



  Das Paradies im engeren Sinn:    
 
  Die Region Piemont
 
   
 
   
 


Weitere Orte:
   
 

Turin
   
 
Casaforte degli Acaja Palazzo reale Innenhof Mole Antonelliana
Casaforte degli Acaja. Davor, martialisch: Emanuele Filiberto
von Aosta
Palazzo reale Innenhof Mole Antonelliana
  Andrea Mantegna: Ecce Homo
      Highlight des Turin-Besuchs: Die Andrea-Mantegna-Austellung im Palazzo Madama.
Hier das Gemälde "Ecce Homo" (1500)
 

Asti
   
 
Kathedrale Santa Maria Assunta Straße in Asti Straße in Asti mit Collegiata di San Secondo Straße in Asti mit Geschlechterturm
Kathedrale Santa Maria Assunta (13./14. Jh.) Straße in Asti Straße in Asti mit Collegiata di San Secondo Straße in Asti mit sog. Geschlechterturm
   
 

Alba
   
 
Straße in Alba Kathedrale San Lorenzo Kathedrale San Lorenzo Chorgestühl mit Intarsien
Straße in Alba Kathedrale San Lorenzo (15. Jh.) Inneres der Kathedrale Chorgestühl von 1512 mit Intarsienarbeiten
   
 

Schloss von Govone
   
 
Castello di Govone Chinesische Tapeten Scheinarchitektur Rosengarten
Castello di Govone (18. Jh.) Handbemalte chinesische Tapeten aus Reispapier (Original) Scheinarchitektur (trompe-l'oeil) mit Motiven des Niobe-Mythos Roseto (Rosengarten) bei der Schlosskirche
   
   ↑ nach oben

   ↓ nach unten (Anfang des Abschnitts)
       

zum Abschnitt April – Juni 2020 zum Abschnitt Januar – März 2020 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2019 zum Abschnitt Juli – September 2019
zum Abschnitt April – Juni 2019 zum Abschnitt Januar – März 2019 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2018 zum Abschnitt Juli – September 2018
zum Abschnitt April – Juni 2018 zum Abschnitt Januar – März 2018 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2017 zum Abschnitt Juli – September 2017
zum Abschnitt April – Juni 2017 zum Abschnitt Januar – März 2017 zum Abschnitt Oktober – Dezember 2016 zum Abschnitt Juli – September 2016
zum Abschnitt April – Juni 2016 zum Abschnitt Januar – März 2016 zum Abschnitt September – Dezember 2015