José Saramago
Die Stadt der Blinden



         
         
José Saramago

Die Stadt der Blinden



Rowohlt Taschenbuch Verlag
1999
ISBN 3-499-22467-4
399 Seiten
9,99 €
         
Der 1995 in Portugal unter dem Titel "Ensaio sobre a Cegueira" erschienene Roman "Die Stadt der Blinden" lässt sich als Metapher für die Blindheit der Herzen lesen, so die gängige Interpretation der Literaturkritik. In einer imaginären Stadt, in der nach und nach sämtliche Bewohner erblinden, zerfällt mit dem Fortschreiten der "Seuche" Schritt für Schritt jede soziale Ordnung. Sind zu Anfang die Herrschenden (so lange sie noch sehen können) davon überzeugt, dem Übel durch Absonderung der Betroffenen in eine Lager-ähnliche Einrichtung Einhalt gebieten zu können, erweist sich bald, dass dies kein Heilmittel sein kann, da alle erblinden. Mit einer einzigen Ausnahme: Der Leser begleitet eine Gruppe früh Erblindeter, in welcher sich die Frau eines Arztes befindet, die als einziger Mensch ihr Augenlicht behält.

"… vielleicht sind wir einfach nicht in der Lage zu sehen, was irgendwo in der Stadt an Schönem und Wunderbarem geschieht ..." heißt es an einer Stelle. Stilistisch weist das Buch einige Besonderheiten auf: Zum einen ist es kaum in Kapitel oder Abschnitte gegliedert, ein beinahe unbeschränkter, einheitlicher Textfluss durchzieht das ganze Werk. Zum anderen ist die wörtliche Rede der handelnden Personen nicht mit Anführungszeichen, nicht einmal durch Satzzeichen kenntlich gemacht, vielmehr ist auch hier das Prinzip eines durchgehenden Fließens gewahrt, ein Fließen von Worten, Gedanken und Kommentaren, das nur durch große Anfangsbuchstaben erkennen lässt, wenn der Redende wechselt. Gewöhnungsbedürftig für den Leser, hat dieser Stil doch eine starke suggestive Kraft und vermittelt eine Art belastender Gleichförmigkeit, die zusammen mit der Dramatik der Handlung die eindringliche Wirkung dieses Romans ausmacht.
         
 
         
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