WERNERS BLOG

(Links zu allen Einträgen: siehe linke Spalte)
  Zeichnung: Wilhelm Busch


Samstag,
31. Dezember 2016
Vor langer Zeit, als die Menschen noch Zeitungen gelesen und Rätsel gelöst haben, gab es ein beliebtes Spiel: Auf zwei auf den ersten Blick gleichen Bildern musste man die Unterschiede herausfinden. Was war auf dem zweiten Bild anders? Da sich auch in dem Dorf, in dem ich meinen Winterschlaf zu verbringen pflege, während meiner sommerlichen Abwesenheit gewisse Veränderungen ergeben haben, kann ich dieses Spiel auch spielen:



 
 
Bardou, 13. Februar 2016 Bardou, 30. Dezember 2016
Bardou, 13. Februar 2016 Bardou, 30. Dezember 2016
   
   
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Mittwoch,
28. Dezember 2016
Da ich nun wieder mit der Welt verbunden bin, fallen mir auch wieder Nachrichten ins Haus. Was ich heute herauspicke, ist die Reaktion des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf eine Grundsatzrede des US-Außenministers John Kerry. Kerry hatte unter anderem den amerikanischen Verzicht auf ein Veto im UN-Sicherheitsrat gegen eine Resolution begründet, in welcher der israelische Siedlungsbau in den besetzten Gebieten verurteilt worden war. Dass die USA eine solche Resolution nicht durch ein Veto verhindert haben, ist in den Augen der israelischen Rechtsaußenregierung ein empörender Vorfall. Das Votum sei "schändlich und antiisraelisch". Und – jetzt kommt's: Kerry habe sich "zwanghaft mit den Siedlungen befasst und kaum mit der Wurzel des Konflikts – der Opposition der Palästinenser gegen einen jüdischen Staat in irgendwelchen Grenzen."70

Also: Die Wurzel des jahrzehntealten blutigen Konflikts soll darin bestehen, dass die Palästinenser die ethnische Säuberung ihres Landes nicht stillschweigend hinnehmen wollen. Unglaublich.

Zwar bin ich nicht wie Kerry der Meinung, dass eine Zwei-Staaten-Lösung das Beste für Israelis und Palästinenser wäre, aber es war jedenfalls allerhöchste Zeit, dass die USA den Israelis einen Warnschuss vor den Bug setzen, wenn auch nur diplomatischer Art. Wahrscheinlich in letzter Minute, bevor das Land in Trumps reaktionärem Sumpf untergeht.
70 zitiert nach SZ online
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Dienstag,
27. Dezember 2016
Eine Woche von Netz und Telefon abgeschnitten zu sein, ist eine – im Wortsinne – beruhigende Erfahrung. Das sollte man sich vielleicht zu Weihnachten (oder auch zu anderen Gelegenheiten) wünschen: ein bisschen Urlaub vom Rest der Welt.

Allen drei (oder sollten es mehr sein?) Lesern meines Blogs wünsche ich stille Tage zwischen den Jahren, mit oder ohne Netz, und uns allen und der Welt ein besseres Jahr als das vergangene.

Bis demnächst.


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Mittwoch,
14. Dezember 2016
Heute eine etwas längere Zumutung, weil ich derzeit Koinzidenzen zwischen meinem aktuellen Schreibprojekt und von außen auf mich wie Geschenke zukommenden Ereignissen feststelle. Das Projekt trägt den Arbeitstitel Wegwerfwelt, in ihm treten unter anderem auf: die menschliche Gier ( s.u.), das Böse (oder der Böse?), Giordano Bruno und weitere interessante Mitwirkende. Über die allererste Phase des Andenkens bin ich noch nicht hinausgekommen, es wird also dauern, bis Ergebnisse sichtbar werden.

Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Mail des Schweizer Philosophen (und ehemaligen Stadtplaners) Alec Schaerer, der meine Rezension des Buches Objektivität: ein Erkenntnisideal auf dem Prüfstand von Marek B. Majorek (2002) gefunden hatte und mich auf eine eigene Schrift mit ähnlichem bzw. darüber hinausgehendem Ansatz aufmerksam machte. Es geht um ganzheitliche Denkansätze.

Daraufhin habe ich mich in den Zusammenhängen umgeschaut und bin auf Vereinigungen gestoßen, die Vorstellungen von einer vollständige Neuordnung des weltweiten kapitalistischen Geldsystems entwickelt haben, mit Lösungsansätzen, wie alles besser wird. Viele gute, interessante Gedanken, sozusagen ein "Plan B" als Alternative zum herrschenden Mainstream. Allerdings setze ich hierzu jetzt keine Links, da ich nach dem Studium vieler (langer) Dokumente und dem Betrachten einiger Videos bei diesen Gruppierungen doch eine nicht zu übersehende Nähe zu den Kreisen gespürt habe, die gerne Sätze äußern wie: "Das wird man doch noch mal sagen dürfen". Und da will ich nun überhaupt nicht hin.

Schade, war wieder nix. Immerhin sind eine Menge anregender Gedanken zu mir gekommen, und letztendlich bin ich bei den Zügen durchs Netz doch noch bei einer schönen Sache gelandet, nämlich einem Video mit dem Kabarettisten Volker Pispers, der sich darin über Zins, Kapitalismus und Vermögensverteilung auslässt und die Erkenntnis zum Besten gibt:
Wir leben in einer Demokratie, und wir kriegen in einer Demokratie keine Mehrheit für eine Politik, von der neunzig Prozent der Bevölkerung profitieren würden.

Der Zusammenhang zwischen dem Kapitalismus und der Gier muss nicht erläutert werden. Bertolt Brecht hat es 1931 in der Dreigroschenoper auf den Punkt gebracht: Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?

Von ganz anderer Seite kam ein Buch auf mich zu, das ich zu Weihnachten verschenken will (weiß nur noch nicht wem, vielleicht behalte ich es auch): Ulrich Grober, Der leise Atem der Zukunft.66 (Von diesem Autor hatte ich vor einiger Zeit ein wunderbares Buch über das Wandern67 gelesen, gewissermaßen eine Philosophie des Wanderns, ein Buch, das ich jedem empfehlen möchte, der sich gerne in der Natur bewegt.)

Der Untertitel des neuen Buches lautet: Vom Aufstieg nachhaltiger Werte in Zeiten der Krise, und auch hier ist vielleicht die Nähe zu meinem Thema zu ahnen: die nachhaltigen Werte sind ja gerade diejenigen, welche durch die Gier nach Geld und Macht zwangsläufig gefährdet, wenn nicht gar völlig vernichtet werden. Grober zieht Hauffs Märchen Das kalte Herz als Gleichnis für die eiskalte kapitalistische Logik unserer Gesellschaft und ihrer Politik heran. Grobers Buch hat so eine ganz andere, viel positivere, menschlich-wärmere Grundstimmung als die Manifeste der oben Genannten, deren Intellektualismus gelegentlich ebenfalls an kalte Herzen denken lässt.

Der Kapitalismus, dessen Anfänge Hauff in seinem Märchen zum Thema macht, hat sich seither zu einer weltumspannenden, praktisch durch nichts mehr aufzuhaltenden Macht weiterentwickelt, die den Reichtum der Welt, der für alle Menschen da ist, zur Beute einer dünnen Schicht macht, welche, fetter und fetter werdend, sich auf Kosten der weit überwiegenden Mehrheit immer weiter bereichert. Der Zeitpunkt wird kommen, an dem es nichts und niemanden mehr auszubeuten gibt, aber ich werde ihn nicht mehr erleben. Die Erde und die Menschen sind zu geduldig.

Unter anderem davon erzählt die Inderin Meena Kandasamy, der ich das dritte Geschenk verdanke. Sie ist alles andere als eine geduldige Frau der niedersten Dalit-Kaste, der sie tatsächlich entstammt. Kandasamy ist eine zornige feministische Kämpferin gegen das indische Kastenwesen und vielfältig aktiv, wie man auf ihrer Homepage erfahren kann. Zuletzt ist auf Deutsch von ihr der Roman Reis & Asche68 erschienen, der ein Massaker im Süden Indiens im Jahr 1968 thematisiert, sowie ein zweisprachiger Gedichtband (englisch/deutsch).69

Danke euch allen für die Geschenke.
66 Grober, Ulrich: Der leise Atem der Zukunft, München 2016

67 Grober, Ulrich: Vom Wandern, Reinbek 2011

68 Kandasamy, Meena: Reis & Asche, Heidelberg 2016
(Original: The Gypsy Goddess, London 2014)


69 Kandasamy, Meena: Fräulein Militanz, Heidelberg 2014
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  Eine wunderbare Nachricht für Freunde der amerikanischen Schriftstellerin Annie Dillard: Der Verlag Matthes und Seitz hat in seiner Reihe Naturkunden Dillards großen naturphilosophischen Roman unter dem Titel Pilger am Tinker Creek neu herausgebracht. Das Buch war 1996 bei Klett-Cotta erschienen, hieß damals Der freie Fall der Spottdrossel ( siehe meine alte Rezension) und war seit vielen Jahren nur noch antiquarisch zu sehr hohen Preisen erhältlich. Endlich ist es also wieder verfügbar. Karen Nölle hat ihre Übersetzung von damals etwas überarbeitet.

Es ist eines der großartigsten Bücher, die ich kenne.
  Matthias Grünwald: Verkündigung, Ausschnitt aus einer Tafel des Isenheimer Altars (vermutlich 1512-1515)
      Dillard, Annie: Pilger am Tinker Creek, Berlin 2016
ISBN 978-3-95757-334-6
22,- €
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Samstag,
10. Dezember 2016
Noch ein Nachtrag zu Otto Dix. Ich war vor kurzem in Colmar und habe im neuen Bau des Unterlindenmuseums die Ausstellung Otto Dix – Der Isenheimer Altar besucht. Ich werde der Fülle der Kommentare, die es weltweit zu beiden Themen gibt, nichts hinzufügen außer einer persönlichen Entdeckung (bei der ich natürlich nicht der erste bin – aber etwas selbst zu entdecken ist immer wie ein kleiner Sonnenaufgang, und die Ausstellung ist ja gerade so konzipiert, dass die Bezüge zwischen Matthias Grünewald (um 1480-1528) und Otto Dix (1891-1969) augenfällig werden):

Der Altar enthält unter anderem die Darstellung der Verkündigung Mariens, also die Szene, in der der Engel Gabriel Maria mitteilt, dass sie schwanger werden wird (Lukas 1, 26-38).

Man kennt viele Gemälde aus alter Zeit, in der diese Szene dargestellt ist, und immer sieht Maria fromm und willig und glücklich aus, dass sie die Mutter Gottes werden darf. Nicht so bei Grünewald. Er malt Maria in einer Abwehrhaltung gegen den Engel, der ihr da zu nahe tritt: was für eine Zumutung!
Matthias Grünwald: Verkündigung, Ausschnitt aus einer Tafel des Isenheimer Altars (vermutlich 1512-1515)
  Otto Dix, der sich zeitlebens in seiner Arbeit immer wieder auf diesen Altar bezogen hat, geht noch ein Stück weiter: bei ihm ist Maria ein verschüchtertes kleines Mädchen, das sich vor der Gewalt fürchtet, die ihr da womöglich angetan wird.   Otto Dix: Verkündigung (1950)
  Auf beiden Bildern tritt der Engel sehr bestimmend, autoritär, übergriffig auf: Du machst das jetzt!    
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Mittwoch,
7. Dezember 2016
Immer wieder finden sich in älteren Schriften und Büchern erstaunlich aktuelle Feststellungen, die zeigen, wie langsam bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen vor sich gehen. Manchmal sieht man auch Stillstand oder Rückschritt. Heute ist mir in einem zuerst 1974 erschienen Buch der Psychotherapeutin Marie-Louise von Franz über "das Böse" in Märchen folgender Satz begegnet:

In früheren Zeiten und primitiven Kulturen war das noch häufiger: der Fremde war schlecht, gefährlich, brachte eine Atmosphäre von Krankheit mit sich, von Mord, Tod und Störung menschlicher Beziehung, deshalb mußte man ihm mit allen Arten von Vorsichtsmaßnahmen begegnen.65
Wie primitiv ist also unsere Kultur.



65 Marie-Louise von Franz: Der Schatten und das Böse im Märchen, München 1992, S. 176
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Dienstag,
6. Dezember 2016
Es gibt im Internet wirklich großartige Funde. Habe heute in einem Forum, das sich um religiöse Fragen dreht, Folgendes gefunden:


Hallo ihr lieben,
in letzter zeit geht mir immer wieder die frage durch den kopf wieso gott die menschen erschaffen hatte und nun ja wenn ich danach suche finde ich irgendwie immer nur er war ein verborgener schatz und wollte erkannt werden aber wenn es noch keine menschheit gab macht es für mich keinen sinn. Es hört sich so an als ob er langeweile hatte was ja auch nicht logisch wäre weil er ja uns nicht braucht aber wozu hat er denn dann entschieden das wir exsetieren?
wäre ganz nett wenn ich eine schnelle anwort erhalte
vielen danke t.


Klar, der Schreiberin kann geholfen werden, die Antwort schütteln die meisten doch mal schnell aus dem Ärmel. Darf's sonst noch was sein?

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Sonntag,
4. Dezember 2016
Das soll und kann kein Kommentarblog zu aktuellen Nachrichten sein, das machen schon genug andere. Aber gelegentlich reizen mich die Ereignisse, meinen Senf dazuzugeben. Aus den Nachrichten der vergangenen Woche greife ich zwei heraus, die mit einem der Grundübel der menschlichen Spezies zu tun haben, der Gier. Als Avaritia (Geiz, Habgier) kennt sie die Kirche seit jeher und zählt sie zu den Sieben Todsünden. Das will keiner mehr wissen.


Nebenbei: es lohnt sich anzuschauen, wie Künstler diese Todsünden dargestellt haben. Rechts (oben) ein Ausschnitt aus dem Gemälde "Die Sieben Todsünden" (vor 1500, Hieronimus Bosch zugeschrieben). Der Ausschnitt zeigt die Habgier und zeigt einen Richter, der sich bestechen lässt. (Das ganze Bild ist hier zu finden).
Ausschnitt aus den 'Sieben Todsünden' von Hieronimus Bosch (?)
      Ausschnitt aus den "Sieben Todsünden" von Hieronimus Bosch (vermutlich vor 1500, Zuschreibung ungesichert)

 
Darunter das gleichnamige Bild von Otto Dix aus dem Jahr 1933. Die Missgunst (der gelbe Neid) reitet auf dem Geiz (der Hexe). Die Abbildung stammt aus einer Veröffentlichung der Uni Heidelberg, mit einem Artikel zu dem Gemälde.
  Otto Dix, 'Die Sieben Todsünden' (1933)
      Otto Dix, "Die Sieben Todsünden" (1933)

  Man könnte schon ahnen, worauf ich hinauswill. Einmal ist es die Geldwäsche in Malaysia. Dort gibt es einen staatlichen Fonds, der offiziell zur Entwicklung der Infrastruktur des Landes eingerichtet worden ist. Aber statt für den Bau von Straßen und ähnlichen Projekten zur Verfügung zu stehen, sind vermutlich fünf Milliarden (!) Dollar in die Taschen korrupter Politiker und Manager geflossen. Das ist eine neue Größenordnung, sogar wenn man davon ausgeht, dass derartige Fonds ihren eigentlichen tieferen Sinn in der Bereicherung von Banken und einer bestimmten Schicht von Finanzkriminellen haben. Dass auch die Deutsche Bank ihre Finger drin haben soll – wen wundert's. Dort gibt man sich ja bekanntlich nicht mit Peanuts ab.

Das zweite anschauliche Exempel menschlicher Gier haben in dieser Woche die Lufthansapiloten geliefert. Ihr Verdienst liegt zwischen 110.000,- und 250.000,- € im Jahr. Gefordert wurden zuletzt 3,66 % mehr, rückwirkend bis 2012. Nach meiner Rechnung wären das jetzt 15,5 %, andere Rechnungen sprechen von 22 %, da sind dann wohl noch weitere Nachzahlungen enthalten. Die Leistung der Piloten korrespondiere mit dem Gehalt, erklärte ein Sprecher der Vereinigung Cockpit im Deutschlandfunk, und seiner Ansicht nach seien die Forderungen "sehr moderat". Ich weiß nicht, was Ärzte oder Krankenschwestern im Schichtdienst dazu sagen würden, der "Cockpit"-Sprecher jedenfalls nennt solche Hinweise eine "Neiddebatte". Zum Glück gibt es bei der Lufthansa auch Angestellte, die den Sinn für Realität noch nicht verloren haben: am Mittwoch gab es eine Gegendemo aus dem eigenen Haus. Nicht jeden hat also die Gier schon um den Verstand gebracht.

Und ganz aktuell noch etwas sehr Positives: Van der Bellen hat Hofer besiegt, halb Österreich reagiert mit großer Erleichterung. Aber eben nur das halbe Land.

   
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  Hier geht inzwischen der Herbst langsam in den Winter über. Die Amseln ernten auf dem Balkon die übriggebliebenen Trauben, und durch die Gerippe der Physalisblüten kann man den Himmel sehen.    
 
Amseln bei der Spätlese Physalisgerippe
   
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Donnerstag,
1. Dezember 2016
Noch einmal komme ich auf Werfels Buch zurück (dessen tausend Seiten ich inzwischen bewältigt habe, mit starker innerer Anteilnahme). Es gibt dort einige Stellen (ich habe es schon gesagt), die uns Heutigen sehr nahe kommen können.

Zum Beispiel ein weiteres Gespräch des Pastors Lepsius, dieses Mal mit einem nicht näher benannten deutschen Geheimrat im Auswärtigen Amt in Berlin (1915).
[Pastor Lepsius:] "Ich weiß sehr gut, Herr Geheimrat, daß alles Erdenkliche geschieht. Die täglichen Interventionen und Demarchen der Botschaft sind mir wohlbekannt. Aber wir haben es ja nicht mit Staatsmännern zu tun, die in der Ehrfurcht vor den diplomatischen Spielregeln aufgewachsen sind, sondern mit Leuten wie Enver und Talaat. Für diese Leute ist alles Erdenkliche viel zuwenig und nicht einmal das Unausdenkliche genug. Die Ausrottung der Armenier ist das Palladium ihrer nationalen Politik. Ich habe mich in einem langen Gespräch mit Enver Pascha selbst davon überzeugen können. Ein ganzes Trommelfeuer von deutschen Demarchen wirkt auf diese Leute bestenfalls als Belästigung ihrer scheinheiligen Höflichkeit."

Wieso musste ich bei der Passage: wir haben es ja nicht mit Staatsmännern zu tun, die in der Ehrfurcht vor den diplomatischen Spielregeln aufgewachsen sind, sondern mit Leuten wie ... an Erdoğan denken?

Auch Erdoğan vermittelt den Eindruck, durch europäische Einwände gegen seine Politik in seiner scheinheiligen Höflichkeit belästigt zu werden. Was argumentiert man denn überhaupt noch herum mit Abbruch oder Einfrieren der Beitrittsverhandlungen zur EU: Der Mann denkt doch überhaupt nicht daran, die Türkei in die EU zu führen (höchstens Gelder von dort abzuschöpfen), er könnte sich doch dann nie mehr derart als autokratischer Sultan gebärden.

Ich weiß, ich weiß: Gesprächskanäle offen halten usw., genau wie mit Putin. Sie müssen nur wichtig genug sein, diese Herren, vor allem für die "wirtschaftlichen Interessen". Aber haben nicht auch Daladier und Chamberlain 1938 gesagt: jetzt geben wir dem Hitler noch das bisschen Sudetenland, dann gibt er Ruhe ...

Solche geben nie Ruhe.

Und noch einen weiteren Auszug der Gespräche des Johannes Lepsius möchte ich anführen, und zwar antwortet ihm hier ein Türbedar, ein Wächter eines heiligen Grabes, als Lepsius einige Scheichs um Hilfe für die Armenier bittet:
Ihr habt in der ganzen Welt Verleumdungen über unsre Religion ausgestreut. Die boshafteste ist die Verleumdung der Unduldsamkeit. Glaubst du, es würde in dem Reich, das der Kalif jahrhundertelang beherrscht, auch nur ein einziger Christ mehr leben, wären wir unduldsam gewesen? Was tat der große Sultan, der Stambul eroberte, im ersten Jahr seiner Regierung? Verjagte er die Christen aus seinem Reich? Wie? Nein, er errichtete das griechische und das armenische Patriarchat und stattete es mit Macht und Glanz und Freiheit aus. Was aber taten die Euren in Spanien? Sie warfen die Moslems, die dort ihre Heimat hatten, zu Tausenden ins Meer und verbrannten sie auf Scheiterhaufen. Schicken wir euch Missionare, oder ihr uns? Das Kreuz tragt ihr vor euch nur her, damit die Bagdadbahn und die Ölgesellschaften bessere Dividenden abwerfen.
Und dieser Türbedar hat noch weitere Wahrheiten anzubieten:
Die Regierung ist an diesem blutigen Unrecht schuld, sagst du. Doch es ist in Wahrheit nicht unsre Regierung, sondern die eure. Bei euch ist sie in die Schule gegangen. Ihr habt sie in ihrem verbrecherischen Kampf gegen unsre heiligen Güter unterstützt. Eure Lehre und eure Gesinnung vollstreckt sie jetzt. Du mußt demnach erkennen, daß nicht wir Osmanen, sondern Europa und Europas Knechte am Schicksal des Volkes schuld haben, für das du kämpfst. Und den Armeniern geschieht nach Gerechtigkeit, denn sie haben jene abtrünnigen Verbrecher ins Land zurückgewünscht, sie gefördert und ihnen gehuldigt, damit sie jetzt von ihnen gefressen werden. Siehst du etwa nicht den Finger Gottes darin? Wo ihr und eure Schüler hinkommt, da bringt ihr die Verwesung mit. Ihr bekennt euch zwar heuchlerisch zu der Religion des Propheten Jesus Christus, doch im Grunde eurer Seele glaubt ihr nur an die stumpfen Mächte des Stoffes und an den ewigen Tod. So matt sind eure Herzen, daß sie nichts mehr von den Kräften Allahs wissen, die in ihnen ungenützt verdorren. Ja, der Tod ist eure Religion, und ganz Europa ist die Hure des Todes.
Worte, die heute wohl zu bedenken wären.
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Montag,
28. November 2016
Werfels Buch enthält vielfältige Beschreibungen des Lebens im Endstadium des Osmanischen Reichs. Und Vieles, das uns heutigen Europäern möglicherweise türkisches Denken näherbringen könnte. Die Fremdheit, die wir oft nicht wahrhaben wollen, sie kommt in diesem Buch an vielen Stellen zum Vorschein, gerade auch in Bezug auf das politische Handeln. Wer Erdoğan besser verstehen will, sollte sich mit Abdulhamid II., Talât Pascha, Enver Pascha und anderen Potentaten des späten Osmanischen Reichs beschäftigen. "Die vierzig Tage des Musa Dagh" bieten dazu eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit.

Um nicht falsch verstanden zu werden: ich will Erdoğan nicht unterstellen, einen Völkermord an seinen Gegnern (z.B. den Kurden) zu planen. Was derzeit aber in der Türkei abläuft: Säuberungen in Justiz und Verwaltung, Verfolgung von Journalisten und Intellektuellen usw., das folgt einem bestimmten Muster, das alle autoritären Staaten aufweisen. Die angebliche Notwendigkeit, sich gegen einen inneren oder äußeren Feind verteidigen zu müssen (z.B. Terroristen, Separatisten usw.) liefert einen erstklassigen Anlass, um mit immer größerer Härte gegen politische Gegner vorzugehen und die eigene Macht rigoros zu stärken (im Notfall lassen sich derartige Anlässe auch selbst herstellen). Hat man das Volk mit Hilfe manipulierter Medien erst einmal von dieser Notwendigkeit überzeugt, hat ein Diktator leichtes Spiel. Heute vielleicht nicht mehr ganz so leicht wie vor hundert Jahren, das Grundmuster aber bleibt erkennbar. Was Deutschland angeht, scheint mir, dass die Deutschen, die im 20. Jahrhundert die größte Schuld aller Zeiten auf sich geladen haben, derzeit als die Nation dastehen, die am wenigsten von solcherlei Anfechtungen gefährdet ist, trotz AFD und den Zündlern am rechten Rand. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen hat viel gelernt. (Im Übrigen haben die Deutschen auch bei den Türken gelernt: sie haben die Ausrottung der Armenier sehenden Auges geschehen lassen, obwohl der deutsche Einfluss auf die osmanischen Machthaber zu dieser Zeit groß war. Da es aber deutsche "Interessen" gab, hat man so gut wie nichts unternommen.)

Das Buch gibt ein Gespräch aus dem Jahr 1915 zwischen Enver Pascha (dem osmanischen Kriegsminister 1914-1918) und Pastor Johannes Lepsius wieder. Lepsius hatte sich um die Jahrhundertwende für die Belange der armenischen Minderheit im osmanischen Reich eingesetzt, die seit dem späten 19. Jahrhundert verstärkt Verfolgungen ausgesetzt waren. 1894-96 gab es unter Abdulhamid II. die ersten Pogrome, 1909 folgten weitere und schließlich wurde die armenische Bevölkerung 1915 endgültig aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben und systematisch ermordet. Diesen Völkermord kann man als die Blaupause für die Shoah, die Ermordung der europäischen Juden durch die deutschen Nationalsozialisten, ansehen. Die Zahlen der ermordeten Armenier bewegen sich verschiedenen Schätzungen nach zwischen 700.000 und 2,2 Millionen.

Auszüge aus dem Gespräch:
[Enver Pascha:] "Das Volk der Türken zählt vierzig Millionen. Nun versetzen Sie sich einmal auf unsere Seite, mein Herr! Ist es nicht ein großer und würdiger politischer Plan, diese vierzig Millionen zusammenzufassen und mit ihnen ein nationales Reich zu gründen, das in Asien einst die gleiche Rolle spielen wird wie Deutschland in Europa. Das Reich wartet. Wir müssen es nur ergreifen. Unter den Armeniern gibt es gewiss eine beängstigende Menge an Intelligenz. Sind Sie wirklich ein Freund dieser Art von Intelligenz, Herr Lepsius? Ich nicht! Wir Türken besitzen von dergleichen Intelligenz wenig. Dafür aber sind wir die alte heroische Rasse, die zur Errichtung und Beherrschung des großen Reiches berufen ist. Über Hindernisse werden wir deshalb hinwegsteigen."
(…)
[Lepsius:] "Sie wollen ein neues Reich gründen, Exzellenz. Doch der Leichnam des armenischen Volkes wird unter seinen Grundmauern liegen. Kann das Segen bringen? Ließe sich nicht noch jetzt ein friedlicher Weg finden?"
(…)
[Enver Pascha:] "Zwischen dem Menschen und dem Pestbazillus (…) gibt es keinen Frieden."
(…)
[Lepsius:] "Sie bekennen sich also offen zur Absicht, den Krieg zur völligen Ausrottung der armenischen Millet64 benützen zu wollen?"
[Enver Pascha:] "(…) Wir handeln unter dem Zwang des Krieges und der Notwehr, nachdem wir die längste Zeit zugesehen und gewartet haben. Staatsbürger, die auf den Untergang des Staates hinarbeiten, verfallen überall der Schärfe des Gesetzes. Unsere Regierung geht demnach rechtmäßig vor."
(…)
Am Ende des Gesprächs sagt Enver Pascha: "Seien Sie überzeugt, Herr Lepsius, dass unsere Regierung jede überflüssige Härte vermeiden wird."

Diese Gesprächspassage hat Werfel nach den Aufzeichnungen von Johannes Lepsius verfasst, die 1919 unter dem Titel "Der Todesgang des Armenischen Volkes" als Buch erschienen. Der vollständige Text von Lepsius' Buch ist bei Wikisource auffindbar: https://de.wikisource.org/wiki/Seite:Der_Todesgang_des_armenischen_Volkes.pdf/



64 Millet: türkisch: Volk, Nation, Volksgruppe
 
Abdulhamid II., 1842-1918 Talât Pascha, 1874-1921 Enver Pascha, 1881-1922 Johannes Lepsius, 1858-1926
Abdulhamid II., 1842-1918 Talât Pascha, 1874-1921 Enver Pascha, 1881-1922 Johannes Lepsius, 1858-1926
   
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Montag,
21. November 2016
Beschäftige mich derzeit mit Franz Werfels "Die vierzig Tage des Musa Dagh", ein Buch, in dem er den Völkermord an den Armeniern 1915 romanhaft darstellt. Das Buch verfügt über Anmerkungen, die einzelne Begriffe (Namen, Orte, seltene Ausdrücke usw.) erklären sollen. So weit, so gut. Verhältnismäßig oft aber stoße ich bei den Erklärungen auf den Eintrag "nicht ermittelt", so zum Beispiel bei dem Namen Lazar von Pharpi oder der Wendung des Sultans Hamidijehs.

So etwas fordert mich heraus. In Minutenschnelle sind diese beiden Begriffe mit Hilfe von Wikipedia aufgeklärt:
  • Lazar von Pharpi = armenischer Geschichtsschreiber, erwähnt beim Wikipedia-Stichwort "Moses von Choren", hier genannt "Lazarus von Pharp"
  • Hamidijeh = Kavallerietruppe des Osmanischen Reichs, benannt nach Sultan Abdülhamid II., dem Hauptverantwortlichen für die Massaker an den Armeniern in den Jahren 1894-96. Eigener Wikipedia-Eintrag

Daraufhin habe ich angefangen, auch andere Einträge nachzuprüfen, z.B.:
  • S. 348 –Türbe: Beisetzungsurne (Falsch. Türbe bezeichnet ein muslimisches Mausoleum)
  • S. 90 – Moschata damascena: Damaszener Moschuskraut (Falsch. Es handelt sich um die Damaszenerrose, eigentlich Rosa x damascena)

Und so weiter und so fort. Die gesamte, ziemlich umfangreiche Mängelliste wird, sobald ich die Lektüre beendet habe, an den Verlag gehen.

Man darf mich gern der Rechthaberei oder des Erbsenzählens bezichtigen, aber ich finde es ausgesprochen ärgerlich, wenn ein Glossar seiner grundlegenden Aufgabe, nämlich der tieferen Information des Lesers, derart miserabel nachkommt. Der Insel-Verlag, in dem das Buch erschienen ist, ist auch kein minderbemittelter Ein-Mann-Hinterzimmer-Verlag, sondern einer der bedeutendsten deutschen Literaturverlage, der seit 1963 zu Suhrkamp gehört, einer Verlagsgruppe mit höchsten Ansprüchen und – immer noch – hohem Ansehen.

Hier hat man offenbar eine wenig vorbereitete studentische Hilfskraft mit der Aufgabe der Erstellung des Glossars betraut und sie noch dazu unter Zeitdruck gesetzt. Anders ist die Peinlichkeit kaum zu erklären. Sind Verlage heute wirklich nicht mehr in der Lage, ordentliche Arbeit abzuliefern? Bezahlen wir zu wenig für die Bücher?

Hintergrundinformationen zum Völkermord an den Armeniern: Die entsprechende Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.
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Samstag,
19. November 2016
Derzeit ist das Wetter so, dass man sich am besten mit einer Flasche Wein und einem Buch auf das Sofa oder gleich ins Bett verzieht.



Lieber gar kein Wetter als so ein Wetter
  Als Lektüre würde ich eines der Bücher von Hanns-Josef Ortheil empfehlen (allen voran "Die Erfindung des Lebens" von 2009), dem Schriftsteller, den ich derzeit von allen deutschen Schreibern am meisten schätze. Gestern hat er in Freiburg aus seinem letzten Buch "Was ich liebe – und was nicht" gelesen. Fünfhundert Menschen waren gekommen um ihn zu hören und zu sehen, überwiegend Damen aus Ortheils Generation (aber nicht nur).

Da Hanns-Josef Ortheil, wie ich gelernt habe, Pfälzer Grauburgunder schätzt (eine Wahl, der ich mich rückhaltlos anschließe), empfehle ich, den Lesegenuss damit zu verfeinern – gerne aber auch mit einem Grauburgunder aus dem Markgräfler Land oder vom Kaiserstuhl.

H.-J. Ortheil schreibt einen ruhigen, im besten Sinn "normalen" Stil, der die Entstehung der Sensationen (im Sinn von "Sinneseindruck") der Vorstellungskraft der Leser überantwortet.
  Hanns-Josef Ortheil, Bücher signierend, 18.11.2016 im Theater Freiburg
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Mittwoch,
16. November 2016
Zwei herausgegriffene Nachrichten des Tages:

Erstens: Nach einigen afrikanischen Ländern (die zurecht Probleme fürchten) und den USA (die ebenfalls Grund haben vorsichtig zu sein) hat nun auch Russland erklärt, nicht mehr mit dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zusammenarbeiten zu wollen – zwei Tage, nachdem die Chefanklägerin die Annexion der Krim und die Kämpfe im Osten der Ukraine öffentlich angesprochen hatte.

Zweitens: Schlachtermeister Assad meint, die USA unter Trump könnten sein "natürlicher Verbündeter" sein.

Vielleicht sollte man den 16. November zum Internationalen Tag der Kriegsverbrecher erklären.


 
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Montag,
14. November 2016
Die alten Tagebücher (Fundstück 8)

28. oder 29.6.1979

(...)
Konnte heute ein Stück Natur, das ich bisher nur aus Büchern kannte, mit eigenen Augen beobachten:
Ich liege auf dem Felsen, vertieft in ein GEO, und spüre an meiner Hüfte ein Insekt. Eine der hier so häufigen Ameisen, denke ich und will das Tier mit der Hand wegfegen, ohne dabei von meiner Lektüre aufzuschauen. Fummle dabei etwas herum, weil dieses Kitzeln nicht aufhört. Plötzlich ein Stich und ich schrecke auf. Ich sehe eine Biene an meiner Seite taumelnd sich auf dem Boden hin- und herbewegen. Im ersten Schreck, der mich stets beim ersten Anblick etwas größerer wehrhafter Insekten überfällt, schnippe ich sie mit dem Finger davon. Dann sehe ich in meiner Haut den winzigen Stachel stecken, mein normales Denken kehrt zurück und mit einem Mal tut es mir um die Biene leid. Sie muß jetzt sterben, eigentlich völlig grundlos, ich bin ja nicht ihr Feind, eher im Gegenteil: Ich bewundere Bienen, mag sie sehr, und wenn ich mich jemals für einige Jahre auf dem Land niederlassen werde, dann werde ich mir ganz sicher einige Bienenvölker halten. Im Allgemeinen habe ich auch vor ihnen keine Angst, weiß ich doch, daß sie ganz und gar nicht darauf aus sind, Warmblüter zu stechen wie etwa die Mücken oder einem auf der Haut kitzelnd rumzukrabbeln wie das lästig-ekelhafte Fliegenvolk.
In diesem Fall wars zu spät, ich ging die sterbende Biene suchen, fand sie und beobachtete ihre stetig langsamer werdenden Bewegungen bis sie schließlich in einem heftigen Zittern ihrer Vorderbeine, das noch einige Minuten anhielt, verendete.
Nachspiel: Eine der großen Ameisen, die dort ständig herumlaufen, entdeckte die Leiche und versuchte, sie wegzutransportieren, was ihr aber trotz langanhaltender Bemühungen nicht gelang, denn die Biene lag in einer kleiner Vertiefung im Felsen, in die ich sie zum Zweck der Beobachtung gelegt hatte. Die Ameise bekam sie in dieser Lage wohl nicht richtig zu fassen oder die Wände der Vertiefung waren zu steil, jedenfalls gab sie nach einigen Minuten ihre Versuche auf, machte sich dann daran, der Biene ein Vorderbein abzubeißen, und verschwand, sobald dies geschehen war.
Ich kehrte wieder zu meiner Lektüre zurück, schaute eine Viertelstunde später wieder in die kleine Felsvertiefung zu meiner Seite und siehe, die Biene war nicht mehr da, eine andere Ameise war wohl geschickter gewesen als ihre Kollegin.


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Sonntag,
13. November 2016
Mein bevorzugter Radiosender brachte heute ein Gespräch mit dem Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier. Dabei kam auch folgende Anekdote zur Sprache:

Im Kindergarten besuchte Gerhard Stadelmaier eine Kindertheateraufführung. Als diese zu Ende gegangen war, stand der Sechsjährige auf und rief laut: "Bin ich froh, dass der Scheiß vorbei ist!" Der erste Schritt auf seinem späteren Berufsweg war damit getan.

Kinder mit einer solchen inneren Freiheit sind zu beneiden und zu beglückwünschen. Ich hätte gern mehr von dieser mutigen Radikalität gehabt.



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Donnerstag,
10. November 2016
Noch ein Nachtrag zur Trump-Wahl: Dem Postillon ist (erwartungsgemäß) ganz viel zum Thema eingefallen. Das hier ist nur ein Beispiel von vielen.



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Mittwoch,
9. November 2016
Donald Trump ist US-Präsident.

Soll ich das Bild eines Sargs veröffentlichen, auf dem "Demokratie" steht?

Nein. Dass einer wie Trump einen derartigen Erfolg erzielen konnte, liegt nicht nur an den Eigenarten des amerikanischen Wahlsystems (und des amerikanisches Volks), sondern ist eine Konsequenz der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Und zwar in allen Ländern, in denen das Geld regiert. Ich hatte immer das Bild eines Glases Milch vor Augen, das, wenn man es einfach stehen lässt, an seiner Oberfläche eine immer fetter werdende Rahmschicht bildet, während nach unten zu die Milch dünner und dünner wird. Das ist das Bild der kapitalistischen Gesellschaften, das man eins zu eins an der Einkommensentwicklung ablesen kann.

Ich habe versucht, die Vorgänge in einem Milchglas fotografisch festzuhalten, leider ist mir das bisher nicht gut gelungen – sobald ich ein befriedigendes Ergebnis erziele, werde ich es zeigen.



Einkommens- und Gewinnentwicklung 1991 - 2007
  Dass einer wie Trump das ändern würde (oder wollte), dieser Irrglaube ist das eigentlich Tragische an dieser Wahl.   Einkommens- und Gewinnentwicklung 1991 - 2007. Quelle: Statistisches Bundesamt. Leider fehlen die letzten zehn Jahre, die Entwicklung dürfte mindestens ebenso deutlich weitergegangen sein.
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Dienstag,
8. November 2016
Heute ist der Tag der Wahl des amerikanischen Präsidenten beziehungsweise der Präsidentin und der 131. Geburtstag meiner Großmutter. Außerdem schneit es im Schwarzwald, und unser Haus befindet sich in einem größeren Umformungsprozess.



 
Kratzbürstenbaustelle (1) Kratzbürstenbaustelle (2) Kratzbürstenbaustelle (3) Kratzbürstenbaustelle (4)
   
  Kratzbürstenbaustelle: (fast) alles wird neu. Das kann dauern.    
       
       
       
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Erste Sätze (19)


Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas (1810)

An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.
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Samstag,
5. November 2016
Die CSU hält in München ihren alljährlichen Parteitag ab. Dieses Mal ohne die Kanzlerein, aber das ist es nicht, was ich hier kommentieren möchte. "Mit uns bekommen die Menschen in dieser komplexen, unübersichtlichen Welt Orientierung und Ordnung", sagte Horst Seehofer in seiner Auftaktrede, und auch Markus Blume, Leiter der Grundsatzkommission, sprach davon, dass die Menschen in einer Welt von Unordnung von der CSU Ordnung erwarteten: Die CSU sei die "Partei der Ordnung in diesem Land".

Warum ist mir, als ich das heute im Radio hörte, Dostojewskij eingefallen? In einem der großartigsten Texte der Weltliteratur, dem Großinquisitor63, wird davon berichtet, wie Jesus etwa um das Jahr 1500 auf die Erde zurückkehrt, nach Sevilla, als auf dem Höhepunkt der Inquisition, zum Ruhme Gottes im ganzen Land täglich die Scheiterhaufen lodern. Der Inquisitor lässt Jesus, nachdem der einige Wunder vollbracht hat, festnehmen und in den Kerker werfen. Dabei ist ihm völlig klar, um wen es sich bei seinem Gefangenen handelt.

Später begibt sich der Inquisitor zu Jesus in den Kerker, redet zu ihm die ganze Nacht – nur er selbst redet, Jesus spricht kein einziges Wort. Des Inquisitors Thema ist die menschliche Freiheit, zu der Jesus die Menschen führen wollte, ein Ziel, zu dessen Erreichung die Menschen jedoch weder würdig noch jemals fähig seien.

Du hast, sagt der Inquisitor, die Menschen viel zu hoch eingeschätzt, denn sie sind, wiewohl als Rebellen geschaffen, nun einmal Sklaven. […] Bei uns aber – und er meint die Kirche – werden alle glücklich sein. […] Wir werden ihnen ein stilles, bescheidenes Glück gewähren, das Gück der Schwachen, wofür sie auch geschaffen sind. […] Du wirst schon morgen diese gehorsame Herde sehen, wie sie auf meinen Wink herbeistürzt, um die glühenden Kohlen Deines Scheiterhaufens zu schüren, auf dem ich Dich dafür verbrennen werde, dass Du gekommen bist, uns zu stören. Denn wenn es einen gibt, der mehr als alle anderen unseren Scheiterhaufen verdient hat, dann bist Du es.

Das Geheimnis des Großinquisitors ist, dass er die Menschen liebt und ihnen die Qual der Freiheit ersparen will. Er (und die Kirche mit ihm) weiß, was das Volk braucht und will es ihm geben: Brot und Spiele, Orientierung und Ordnung – eine verordnete Leitkultur.


63 Dostojewskij, Fjodor: Die Brüder Karamasow, Frankfurt a.M. 2013, S. 397 ff.
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Dienstag,
1. November 2016
Ein Fundstück, das ich gerne "teilen" würde (nicht auf facebook oder twitter, sondern hier auf meinem Blog, auch wenn ich riskiere, hier weniger followers zu haben), dreht sich um die Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2016, Carolin Emcke. Genauer gesagt um die teils verächtlichen Kommentare der deutschen Intelligenzija auf Emckes Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche am 23. Oktober.

Deutschlandradio Kultur fasst die Schmähkommentare zusammen und schreibt, die Kritik an ihrer Rede untermauere ihre Beobachtungen über die Verrohung der Gesellschaft. Der Artikel ist eine Entgegnung auf die Anwürfe der Gutmenschenverächter

Zum Text des Artikels auf Deutschlandradio Kultur

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Samstag,
29. Oktober 2016
Haiku eines Kurzsichtigen:
Mild ruht der See
ich werfe Chilischoten hinein –
mehr Seeschärfe!
Mild ruht der See
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  Nachtrag zu Karl Ballmer:

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt (14.10.16):
Diese Bilder sind nicht mehrheitstauglich, dafür sind sie zu verhalten und zu düster. Tatsächlich treffen sie Kopf und Herz unmittelbar, doch lösen sie kein Wohlgefühl aus, versetzen einen vielmehr in Bereiche ohne festen Boden, ohne Gewissheiten und selbst ohne Verheissung. Bereiche zwischen Werden und Vergehen, Zwischenzonen.
   




Montag,
24. Oktober 2016
Mir scheint, ich sollte eine Lanze für die Wallonie brechen. Jene Region in Belgien, die wie einst ein berühmt gewordenes gallisches Dorf beherzt einer Übermacht standhält. Es heißt, Europa sei als Verhandlungspartner nicht mehr ernst zu nehmen, mache sich lächerlich, wenn ein unbedeutendes Regionalparlament globale Vereinbarungen wie CETA zu Fall bringen könne. Wo kämen wir hin, fragt EU-Kommissar Günther Oettinger, wenn demnächst noch der Pfarrgemeinderat von Biberach solchen internationalen Abkommen zustimmen müsste. Okay, das hat er ironisch gemeint.

Wer macht sich denn da vor wem lächerlich? Ist es nicht so, dass es höchste Zeit ist, dem Globalisierungswahn, der rücksichtslos über die Interessen von Bürgern, Verbrauchern, Kommunen, Produzenten und und und hinwegrollt, einen Schuss vor den Bug zu setzen? Das Argument der neuen Arbeitsplätze, die durch solche Abkommen geschaffen würden (und das sich regelmäßig als Aprilscherz herausstellt), wird immer wieder herangezogen, für alle möglichen Vorhaben, die letztendlich niemandem dienen als den sogenannten Investoren. Gibt es einen einzigen unter ihnen, der die Schaffung von Arbeitsplätzen als sein wirkliches, innerstes Ziel anstrebt?

Das Grundübel liegt in der Konstruktion unserer Wirtschaft. Um zu leben muss man arbeiten. Das wäre gut hinnehmbar, ja wünschenswert, wenn es in eigener Verantwortung, mit selbstdefinierten Zielen erfolgen würde. Die Wirklichkeit ist aber, dass der Einzelne von einem Arbeitsplatz abhängig ist, der ihm von einem anderen zur Verfügung gestellt wird (oder nicht), welcher seine eigenen Ziele verfolgt, in der Regel die Vermehrung seines Kapitals. Mit dem Arbeitsplatzargument lässt sich so gut wie jede Schweinerei durchsetzen, und alle spielen sie mit, Parteien, Gewerkschaften usw., weil niemand wirklich eine Alternative sehen will.

Ich bin ein großer Freund des bedingungslosen Grundeinkommens
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Samstag,
22. Oktober 2016
Die alten Tagebücher (Fundstück 7)

19.6.1979

Über das Land "wo Nazis Richter sind" (Antwort an Bettina Wegner)

Es müssen viele mit den Nazis leben, Du hast recht,
und viele von den Jungen wurden ihnen ähnlich.
Doch "man" hat sich mit ihnen noch immer nicht versöhnt,
wenn "man", wie üblich, alle meint.
Vergiß die andern nicht, die kämpfen,
bist selber eine ja, die kämpft.
Und gibt es nicht bei Dir auch solche,
mit denen Dir zu leben schwerfällt?

Eine wie Du braucht keine Angst zu haben
vor alten Nazis oder jungen Strebern.
Du würdest hier wie dort das Gleiche singen
auf beiden Seiten dieser Grenze,
die dieses Land, just in den Zeiten,
in denen wir geboren, in zwei gespalten hat.
Im einen wie im andern Land gibts Kämpfer
und leider viel zu viel wogegen man sie braucht.
Als Heimat taugen beide gut genug,
als Paradies wohl keins.


Erläuterung: In jenem Sommer 1979, in dem ich zum ersten Mal einen Garten angelegt hatte (in Bardou), erreichte mich ein Exemplar der Frankfurter Rundschau. Darin war ein ganzseitiger Artikel über die Ostberliner Sängerin Bettina Wegner, von der ich bis dahin nichts gehört hatte. Der Artikel (und wohl auch das abgedruckte Foto der Sängerin) hatte mich sehr beeindruckt, und spontan habe ich dieses Gedicht geschrieben. Und ihr geschickt. Einige Zeit später kam tatsächlich ein Antwortbrief von ihr.

Anlass, warum ich heute gerade dieses Tagebuchfundstück ausgewählt habe, war die Radiosendung über Bettina Wegner im DLF gestern Abend.

Zwei Tage später, also am 21. Juni 1979, habe ich ins Tagebuch geschrieben:
(...) Mit dem Gedicht bin ich nicht sonderlich zufrieden, besonders vom Inhalt ließe sich Klareres bringen: Ich sehe das Verhältnis BRD-DDR doch nicht so undifferenziert. Egal, jetzt ist es abgeschickt und ich habe kein schlechtes Gefühl dabei, das ist mir bei der Sache das Wichtigste.


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Samstag,
15. Oktober 2016
Ich freue mich, wenn es regnet.
Wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.
Leider nicht von mir, sondern heute morgen im Radio gehört. Und noch den Zusatz: Wie bekloppt müsste ich also sein, mich nicht zu freuen.

Also!

(Allerdings, in Klammern hinzugefügt: ich freue mich sowieso oft, wenn es regnet.)


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  Zu einem Ereignis dieser Woche möchte ich noch etwas sagen: zur Verleihung des Literaturnobelpreises an Bob Dylan.

Alle sprechen sie von einer Überraschung: Die Welt, Spiegel online, Die Zeit, die Süddeutsche.

Ich habe seit Langem darauf gewartet. Er hat – neben so viel anderer fantastischer Lyrik – eines der schönsten Liebeslieder des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben:

Tomorrow Is A Long Time

If today was not an endless highway
If tonight was not a crooked trail
If tomorrow wasn’t such a long time
Then lonesome would mean nothing to you at all
Yes, and only if my own true love was waitin’
Yes, and if I could hear her heart a-softly poundin’
Only if she was lyin’ by me
Then I’d lie in my bed once again

I can’t see my reflection in the waters
I can’t speak the sounds that show no pain
I can’t hear the echo of my footsteps
Or can’t remember the sound of my own name
Yes, and only if my own true love was waitin’
Yes, and if I could hear her heart a-softly poundin’
Only if she was lyin’ by me
Then I’d lie in my bed once again

There’s beauty in the silver, singin’ river
There’s beauty in the sunrise in the sky
But none of these and nothing else can touch the beauty
That I remember in my true love’s eyes
Yes, and only if my own true love was waitin’
Yes, and if I could hear her heart a-softly poundin’
Only if she was lyin’ by me
Then I’d lie in my bed once again.


Herzlichen Glückwunsch, Bob Dylan.
   
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Mittwoch,
12. Oktober 2016
Gelegentlich geschieht es, dass man spontan von einem Bild, einem Gedicht, einem Bauwerk oder sonst einem Kunstwerk ganz tief im Innern berührt wird.

Heute ging es mir mit einem Bild des Malers Karl Ballmer (1891–1958) so. Das Bild hat mich erschüttert. Es ist ein Selbstporträt, das um das Jahr 1930 entstanden ist, und ich wollte sehen, wie der Maler "in Wirklichkeit" ausgesehen hat. Die Wirklichkeit muss hier in Anführungszeichen, denn für ihn selber war ja die Wirklichkeit das, was er in diesem Bild gesehen und wiedergegeben hat.

Ich habe eine Fotografie von Karl Ballmer gefunden, und wer sie aufmerksam anschaut, mag erkennen, wieviel von der Wirklichkeit (jetzt ohne Anführungszeichen) in dieses Selbstporträt eingeflossen ist. Mich hat die Übereinstimmung des seelischen Ausdrucks beider Bilder tief beeindruckt.




Karl Ballmer, Kopf (Selbstporträt), um 1930
    Karl Ballmer, Kopf (Selbstporträt), um 1930. (Depositum der Karl-Ballmer-Stiftung)

Zu sehen im Kunsthaus Aarau bis 13.11.2016 und ab 5.3.2017 im Ernst-Barlach-Haus, Hamburg.

(Quelle: Das Goetheanum, Nr. 42/2016)
  Zusammenschau    
       
       
  Informationen über Karl Ballmer:

  • wikipedia
  • Edition LGC
  • Forschungsstelle Kulturimpuls
  •   Karl Ballmer
          Karl Ballmer

    (Die Aufnahme wurde dankenswerterweise von der Forschungsstelle Kulturimpuls zur Verfügung gestellt)
      Nachtrag    
           
           
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    Sonntag,
    9. Oktober 2016
    Da ist er wieder: MEIN Herbst. In diesem Jahr bedeutet das auch, dass dieser Blog sein einjähriges Bestehen feiern darf.



    Ungefähr ein Jahr Werners Blog
          Ungefähr ein Jahr Werners Blog
           
          MEIN Herbst. Schon wieder.
          MEIN Herbst. Schon wieder. Zum Glück.
    (Für die Vase ist meine Nachbarin verantwortlich)
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    Sonntag,
    2. Oktober 2016
    In Dresden sind in der Nacht Polizeifahrzeuge angesteckt worden. Einmal darf man raten, wer's war (siehe Bekennerschreiben). Außerdem, lese ich auf deutschlandfunk.de, wurden in der Nacht in einer Straße mehrere Graffitis an Wände gesprüht.

    Auch Journalisten ( Dschurnalisten!) des Deutschlandfunks sollten auf ihre Ausdrucksweise achten. Dabei stört mich weniger der falsche Plural als vielmehr die Nachlässigkeit, Schmierereien mit dem Begriff "Graffiti" zu ehren. Graffiti habe ich bisher überwiegend in die Kategorie Kunst eingeordnet (oft allerdings auch in die Abteilung Wulst 62).

    62 Magazin für Litteratur, 14. April 1894
          Ludwig Fulda, 1894
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    Samstag,
    1. Oktober 2016
    Die alten Tagebücher (Fundstück 6)

    11.5.1979

    Sommer in Bardou: Heiß, kein Wind, um 10 Uhr abends die Tür offen, ein klarer Himmel.
    Viel geschuftet im Garten: Bohnenbeet angelegt, zweite Salatsaat.
    Gemütliches Alleinsein. Abends Pizza auf dem offenen Feuer gemacht, gibt noch ein Frühstück morgen.
    Die Fledermäuschen huschen durch die Dämmerung, jetzt kommt etwas Wind auf.
    Ich bin sehr zufrieden.
    Die Fruco hat mir beim Gitarrespielen sehr aufmerksam zugehört, keine andere Katze würde das machen. Aber Fruco ist ja auch schwachsinnig.

           
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