WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Donnerstag,
30. März 2017
Mein Frühstücksblatt, Le Monde Diplomatique, widmet sich in der März-Ausgabe (ja, ich brauche immer mindestens einen Monat, bis ich alles gelesen habe) dem Thema "Die Deutschen und ihre Flüchtlinge – zwei Jahre danach", so der Titel eines zweiseitigen Artikels. Es wird der Weg nachgezeichnet, den die deutsche Politik und die Deutschen seit Merkels "Wir schaffen das!" (On va y arriver!) genommen haben, garniert mit Fotos aus dem Passauer Registrierungszentrum und der Münchner Bayernkaserne, die als Erstaufnahmelager gedient hat.

Es ist ein gründlicher, umfassender Artikel, und es ist aufschlussreich zu lesen, wie unsere französischen Nachbarn die deutschen Anstrengungen erleben. Zum Beispiel erfährt man, dass Deutschland zehn mal so viele Asylanträge genehmigt als Frankreich (2016: Deutschland 256.136 – Frankreich 26.351), aber man macht auch einen Besuch beim ehemaligen Bürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, der im März 2015 von seinem Amt zurückgetreten ist, weil Neonazis wegen der von ihm befürworteten Unterbringung von Flüchtlingen seine Familie bedroht hatten.

Der Artikel ist ein Spiegel der ganzen Bandbreite unserer Willkommenskultur (culture de hospitalité), die "auch nicht mehr das ist, was sie war". Den Schluss bilden Zitate aus einem Leitfaden, der von der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegeben wurde und auf deutsch und arabisch Flüchtlinge mit Gebräuchen und Werten des Gastlandes bekannt machen soll: Die Neuankömmlinge lernen da, dass man in Deutschland seinen Müll trennt und Schweinefleisch isst, dass " Bier sehr geschätzt wird, vor allem von den Männern" und dass "man sich des Spruchs befleißigt: 'Die Polizei, dein Freund und Helfer'".

Das beruhigt ein wenig, meint der Autor.
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  Deutlich weniger beruhigend ist, was Bundesaußenminister Sigmar Gabriel laut DLF-Nachrichten zum Tod von 33 Zivilisten und wer weiß wie vielen Verletzten bei einem Luftangriff bei Rakka (Syrien) von Seiten der Anti-Terror-Koalition unter Führung der USA von sich gegeben hat. Die Bundeswehr hatte für den Angriff Aufklärungsfotos geliefert. Gabriel: "Die Bundeswehr hat den Tod von Zivilisten nicht zu verantworten."

Ach was, wir doch nicht! Da waschen wir alle schnell mal unsere Hände in Unschuld.
   
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Dienstag,
28. März 2017
Ich bin auf eine weitere Darstellung der Verkündigung gestoßen, die von der üblichen Ikonographie abweicht, wenigstens wird sie von manchen so interpretiert. Es handelt sich um das Gemälde Annunciazione (ca. 1527) von Lorenzo Lotto (1480-1557). George Steiner (Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Philosoph) interpretiert das Bild folgendermaßen: Es mag sein, dass Lorenzo Lottos 'Verkündigung', auf der Maria in wilder Flucht vor dem sie verfolgenden göttlichen Boten dargestellt ist, die treffendste Notation darstellt, die wir zu den Bemühungen des Ästhetischen, vor der Inkarnation zu fliehen, besitzen.74

Richtig ist sicher, wenn Maria durch den Auftritt des Engels nur halb so verschreckt war wie die Katze, dann deshalb, weil ihr schwante, was auf sie zukommen könnte. Muss das sein?! fragt sie und ist damit den Darstellungen von Matthias Grünewald (ca. 1515) und Otto Dix (1950) sehr nahe.

'Verkündigung' von Lorenzo Lotto, ca. 1527
      Verkündigung von Lorenzo Lotto, ca. 1527

      74 STEINER, George: Grammatik der Schöpfung, München 2001, S. 73
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Sonntag,
26. März 2017

Die alten Tagebücher

31. 8. 1979

Nach einem halbjährigen Aufenthalt in Bardou auf der Rückreise nach München, kurzer Zwischenaufenthalt in (dem mir damals unbekannten) Freiburg
(...)
Dieses Rumhängen an einem Platz wie dieser deutschen Kleinstadt, in einer Wohnung wie dieser könnte unter Umständen Gift für mich sein. Die verschiedenen Ichs liegen so nah beieinander, sind so leicht gegeneinander austauschbar, besonders die alten, früheren springen nur allzu schnell in eine freiwerdende Lücke. Nach rückwärts ist man unglaublich flexibel, der alte Adam wartet mit gezückter Keule hinter der nächsten Ecke, und wer sich in die Gefahr begibt, kommt in ihr um, möglicherweise.
Gefahr erkannt – Gefahr gebannt?
Ich wußte, warum ich Angst hatte, zurückzukommen. Aber die Aufgabe, höchstens zwei Monate in Deutschland gesund zu überstehen, sollte andererseits nicht unlösbar sein ...
Werde mir Geld schicken lassen müssen, um mich hier einigermaßen bewegen zu können. War zu Anfang auch über die Preise geschockt, die hier für Lebensmittel verlangt werden. Ich wundere mich immer mehr über die Zustände, die ich mein ganzes Leben als selbstverständlich und normal angesehen hatte.
Ein seltsamer Zwischenzustand, in dem ich mich hier befinde: Räumlich – ein Platz, mit dem ich nie etwas zu tun hatte. Freiburg, eine kleine, ganz hübsche Universitätsstadt im wohl spießigsten deutschen Bundesland, Baden-Württemberg. Von diesem Mooswald mit seinen peinlich gepflegten (mir ist es in der Tat peinlich) Gärten um die properen Einfamilienhäuser ganz zu schweigen.
Dieser Platz liegt zwischen Bardou, meinem Paradies, und München, meiner Heimatstadt, zu der es mich nicht im geringsten zieht.
Zweitens, der Situation nach: Eine geräumige, voll eingerichtete, wohl bürgerliche Wohnung zu meiner Verfügung, ich kann fernsehen, die Stereoanlage mir aus einer Riesenauswahl Folk-Rock-Jazz LPs vorspielen lassen, in der "modernen" Küche (heißes Wasser aus der Wand!) kochen, heiß duschen, meine Klamotten in der Waschmaschine waschen usw. Das zwischen Bardou, dem Leben im 19. Jahrhundert und einem geliehenen Zimmer in einer Münchner WG.
Ich glaube, je öfter die Plätze, die Verhältnisse abwechseln, je krasser die Unterschiede sind, desto leichter sollte es mir fallen, die jeweilige Gegenwart mit vollem Bewußtsein zu durchleben. Durch ständige Veränderung zum Leben im Hier und Jetzt.
Bei den Rolling Stones, Joan Baez usw., mit vielen Watt und in hervorragender Qualität, bei einem Bier und mit vollem Magen hänge ich zwischen den Welten, wobei das, was mich in München erwartet, ja gar nicht ernst zu nehmen ist.
(...)

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Mittwoch,
22. März 2017
Mehrere Male hatte ich schon das Thema des Preisdumpings bei Lebensmitteln ( 16.11.15, 22.12.15, 12.2.16) angesprochen. Dass man den Deutschen beinahe jeden Dreck als Essen verkaufen kann, wenn er nur billig genug ist, das ist bekannt. Schlimmer ist, dass diese Praktik auch bei den französischen Nachbarn um sich greift, die traditionell auf die hohe Qualität ihrer Lebensmittel stolz sind (und sich diese Haltung auch etwas kosten lassen!). Discounter, die in Deutschland (aus besagtem Grund) groß geworden sind, greifen seit langem auch auf andere Länder über. Der Grund ist, dass überall den Menschen das Geld ausgeht, weil es sich als fette Schicht an anderer Stelle ansammeln muss.

Der Spruch auf der Lebensmitteltüte (rechts) lautet übersetzt:
Der WAHRE Preis der GUTEN Dinge.
Mülltüte
  Mit anderen Worten:
Alle Produzenten und Verarbeiter von Lebensmitteln, die für ihre Erzeugnisse einen fairen Preis erzielen wollen, sind Preistreiber, die euch das Geld aus der Tasche zu ziehen versuchen. Kommt zu uns und profitiert mit uns von unseren "rigorosen Kosteneinsparungen bei allen eingesetzten Betriebsfaktoren" ( Wikipedia). Wir bieten Billigware, Billiglöhne, billig, billiger, am billigsten ... das ist so geil!
Das ist wieder einmal eine Gelegenheit, an den englischen Sozialreformer, Schriftsteller und Maler John Ruskin (1819-1900) zu erinnern, dem folgendes Zitat zugeschrieben wird:
Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte. Und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Leute.

Es ist unklug zuviel zu bezahlen, aber es ist genauso unklug zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie ein wenig Geld, das ist alles. Bezahlen Sie dagegen zu wenig, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, wenig Geld zu bezahlen, aber viel dafür zu erhalten ... Das geht nicht. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das eingegangene Risiko etwas hinzurechnen. Wenn Sie das aber tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.
Ruskins Aussage bezieht sich zwar nicht direkt auf Lebensmittel. Aber gerade das sollte der Bereich sein, in dem man auf möglichst hohe Qualität achtet. Und vielleicht könnte man sich gelegentlich auch Gedanken darüber machen, unter welchen Umständen das, was man sich einverleibt, hergestellt wird.

Siehe auch Eintrag vom 6.3.2017
  Mülltüte
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Dienstag,
21. März 2017
Zur Zeit werde ich verstärkt von Erinnerungen an lange zurückliegende Zeiten heimgesucht. Vielleicht kommt es mir aber auch nur so vor und es handelt sich um eine ganz normale Alterserscheinung (man sagt ja, alte Leute hätten keine Ahnung, was vor einer Stunde passiert ist, an ihre Schul- und Jugendzeit vor über einem halben Jahrhundert erinnerten sie sich aber perfekt).

Wie dem auch sei: nicht nur ehemalige Mitschüler kommen auf mich zu, sondern auch die für mich sehr wichtige Zeit der ersten Impulse zum Beruf des Gärtners taucht gerade wieder auf, hier in Bardou, wo das Ganze 1979 angefangen hat. Wieder gibt es junge Leute, die hier einen Gemüsegarten anlegen wollen, und der Umfang dürfte größer als zu meiner Zeit werden. Die ersten Aussaaten sind gemacht, und da die Gärtnersfamilie für ein paar Tage wegfahren muss, habe ich die Ehre (und Freude), mich um die junge Pflanzenbrut zu kümmern. Die Jungpflanzenanzucht war mir auch früher immer schon das liebste Kind der ganzen Gärtnerei.

Die größte Herausforderung ist, die Pflanzen vor der Gefräßigkeit unserer Spaßvögel (Pfauen) zu schützen.

Gemüsekindergarten
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Montag,
20. März 2017
Mitten im schönsten Frühling denken manche schon wieder ans Sterben. Die Narzissen zum Beispiel.

 
27. Februar 2. März 9. März 19. März

Haben das Blühen für dieses Jahr schon wieder hinter sich: Die Narzissen. Wer zu früh kommt, bestraft den das Leben?

   
 
Wildpflaume (in Bayern: 'Kriacherl') Mandelblüte Zwetschgen Schwertlilie

Schon geht das Blühen weiter: Wildpflaume, Mandeln, Zwetschgen, Schwertlilie ...
   
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Sonntag,
19. März 2017
Dreimal Himmelstagebuch



  19.3.2017, 16 Uhr 18   19.3.2017, 16 Uhr 18
  19.3.2017, 18 Uhr 05   19.3.2017, 18 Uhr 055
  19.3.2017, 19 Uhr 19   19.3.2017, 19 Uhr 19
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Mittwoch,
15. März 2017
Man hat ja gelegentlich den Verdacht, dass die Menschen – vermutlich entgegen den Absichten der Evolution – immer dümmer werden und sich selber zugrunde richten. Heute habe ich einen weiteren Beweis dafür gefunden, dass es sich tatsächlich so verhält.

In einer Reihe von Medien (z.B. hier) wird dieser Tage eine Meldung zum Thema Speed watching veröffentlicht. Darunter versteht man das Abspielen von Filmen in erhöhter Geschwindigkeit (bis mehr als doppelt so schnell), um in weniger Zeit mehr Filme sehen zu können. In erster Linie Zuschauer von TV-Serien wenden diese Technik an, um so die Fülle von Serienfolgen bewältigen zu können. Fans dieser Art von Irrsinn behaupten, man könne das Gehirn schrittweise an die höheren Geschwindigkeiten gewöhnen. Der Trend kommt – woher sonst? – aus den USA.

Sehenden Auges und ohne die geringste Notwendigkeit bringen sich manche Menschen um den letzten Rest ihres Verstandes. Manchmal bleibt einem doch die Spucke weg.



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Sonntag,
12. März 2017
Himmelstagebuch



  12.3.2017, 16 Uhr 28   12.3.2017, 16 Uhr 28
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Freitag,
10. März 2017
Licht im Garten



 
Licht im Salbei Licht in den Schwertlilien Licht im Rosmarin Licht in der Quitte
Licht im Salbei Licht in den Schwertlilien Licht im Rosmarin Licht in der Quitte
   
       
 
Licht in der Mimose Licht im Liguster Licht im Lavendel Garten im Licht
Licht in der Mimose Licht im Liguster Licht im Lavendel Garten im Licht
   
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Mittwoch,
8. März 2017
Stimmen aus der Vergangenheit erreichen mich. Zwei meiner alten Klassenkameraden haben sich unabhängig voneinander bei mir gemeldet, Heinz und Uli. Mit einem Mal ist eine sehr weit zurückliegende Zeit wieder präsent.

Ich habe die meisten meiner Schulkameraden seit dem Abitur 1968 nie wieder gesehen. Uli schickt mir Bilder von einem Treffen im Jahr 2004, bei dem ich nicht dabei war, sie erzählen vom Altern der Mitschüler – fast keinen von ihnen hätte ich nach 36 Jahren wiedererkannt. Und mehr noch erzählen sie vom Altern der anwesenden, durchaus schon greisenhaften ehemaligen Lehrer. Sie werden inzwischen vermutlich nicht mehr am Leben sein. Viel Stoff zum Sinnieren. Erinnerungen können unter bestimmten Umständen eine ziemliche Wucht entfalten.

Meine Tagebücher reichen nur bis ins Jahr 1978 zurück. Heute eine Fundstelle mit einem Eintrag nach einer mehrtägigen Wanderung im August 1979, dem Sommer in Bardou, der mir den Impuls zum späteren Beruf des Gärtners gesetzt hat (siehe auch die anderen Tagebucheinträge aus jenem Jahr).

 
Freitag, 24.8.
Wieder zuhause in Bardou. Wollte eigentlich unterwegs viel schreiben, es war aber nie danach.
Bin einen unvergleichlich schönen Mittwoch lang der GR7 nachgegangen, bis ich müde war. Ich schlief am Rand der Heide, unter einem jungen Baum, und hab der untergehenden Sonne und den aufziehenden Sternen zugesehen.
Über Nacht Szenenwechsel. Mit der Geschwindigkeit und Heftigkeit alpiner Wetterstürze kann sich die Szene in diesen Bergen verändern: Der Donnerstag war bewölkt, kühl und windig. Mein Weg führt mich hoch oben am südlichen Rand der Hochebene über den Col de Fontfroide zum Lac de Vézoles, dem eigentlichen Ziel meiner Wanderung. Ich fühle mich dabei irgendwie nachhausekommend, indem ich diesem Punkt näherkomme, den ich vor zwei Monaten entdeckt und so schön gefunden habe. Wieder dieses wie auch das letzte Mal: Sturm über dem Bergsee. Es ist kalt, verkrieche mich in meinen Schlafsack, aber es ist nicht auzuhalten dort, mache mich an den Abstieg Richtung Prémian. Hier, wie auch schon auf dem Weg zum See Unmengen wilder Brombeeren und Himbeeren. Verderbe mir fast den Magen daran, so viele sind es.
Aber meine Füße, meine armen Füße! Diese verfluchten neuen Stiefel! Bald wird mir jeder Schritt zur Qual. Und das Wetter wird immer bedrohlicher, der Sturm ist auch hier, am Südabsturz der Berge, heftig zu spüren. Es sieht nach Regen und Gewitter aus, wo werde ich einen Unterschlupf für die Nacht finden? Richte mich innerlich schon auf eine katastrophale Nacht ein. Das einzige, was ich finde, ist ein etwas überhängender Felsen seitlich meines Weges. Dort richte ich mich ein. Um mir Behaglichkeit vorzutäuschen, packe ich sogar meinen Kocher aus und koche mir ein paar mitgeschleppte Kartoffeln, esse sie mit Butter und Salz, dazu eine Tomate – ein Genuß! Und dann in den Schlafsack, auf die Matte, und es regnet tatsächlich nicht.
(...)
 
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Montag,
6. März 2017
Unter den heutigen Nachrichten ist mir eine sehr positiv aufgefallen: Anton Schlecker ("AS") muss sich zusammen mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Schlecker unter anderem vorsätzlichen Bankrott vor ( DLF-Bericht von heute). Außerdem soll er rechtzeitig Vermögenswerte beiseite geschafft und dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Die (zuletzt noch) 11.000 Mitarbeiter verloren im Januar 2012 plötzlich und ohne Vorwarnung ihren Job.

Auf tagesschau.de kommentiert ein Leser:
Die früheren Mitarbeiter*innen müssen stempeln gehen, aber für ein Leben im Luxus mit Bediensteten und schnellen Autos hat man in der oberen Etage rechtzeitig Millionen beiseite geschafft. Egoistischer gehts nicht mehr. Abstoßend.
Gerne würde ich "egoistisch" durch "kriminell" ersetzen. Ich werde warten müssen, bis das Urteil gesprochen ist.



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Freitag,
3. März 2017
Wetterwendisch könnte man das hiesige Wetter nennen – das wäre aber ein Kalauer, und Kalauer verbiete ich mir.

Ich schaue zum Fenster hinaus: Frühling? März?, befrage ich das Himmelstagebuch.

April, April, tönt es zurück.

3.3.2017, 10 Uhr 42



3.3.2017, 10 Uhr 42
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Donnerstag,
2. März 2017
Gerne möchte ich den Frieden noch ein wenig aufrechterhalten (auch wenn es vielleicht nur die Illusion eines Friedens sein sollte).

Hinter dem Haus in der Spätnachmittagssonne: Die Mimose verbreitet einen schweren Duft, sie ist voll aufgeblüht und leuchtet zitronengelb über das ganze Tal. Die Luft ist warm und völlig unbeweglich, und die Stille ist trotz vereinzelten fernen Vogelgezwitschers so groß, dass sie auf die Ohren drückt.

Der Wetterbericht für die kommenden zwei Wochen spricht von Temperaturen bis 18 Grad, keine Nachtfröste mehr – der Winter ist vorbei. Eigentlich ist er ausgefallen.


 
Mimosenleuchten Mimosenleuchten Mimosenleuchten
Mimosenleuchten
   
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Samstag,
25. Februar 2017
Eine Woche ist vergangen, für die ich nur dankbar bin. Für das ganz ungewöhnliche stille und sonnige Vorfrühlingswetter, für die Geschenke des Waldes und vor allem für die freundlichen, liebevollen und anregenden Begegnungen hier in diesem zauberhaften Ort.

Um die Nachrichten zu kommentieren war die Woche viel zu angenehm, das werde ich jetzt nicht aufs Spiel setzen.



Danke
       
  Aber wie immer, wenn mir nichts Besseres einfällt, ein Blick in die alten Tagebücher:

6. 8. 1979

(...)
Und im halb offenen Fenster sehe ich ich mein Gesicht, die Glatze, mein Alter, achtzehn oder so Jahre später. Der Widerspruch macht mir etwas zu schaffen, irritiert mich. Bin ich 13 mit der neuen Gitarre, bin ich 17, singe diese Lieder, bin ich fast 32, hier 1979 in Bardou, bin ich 20, lerne die H. gerade kennen, von der ein Bild hier zu meiner Linken hängt. Manchmal begegnen sich meine Alter. Es ist für mich, den linkischen, unmöglichen Achtzehnjährigen mit der Schmalzlocke, der scheußlichen schwarzen Brille und dem abstoßend-lächerlichen Auftreten einfach ein Wunder, wenn Frauen, die damals für mich mindestens unerreichbar gewesen wären, heute noch in meinen Augen interessante, aufregende, außergewöhnliche, schöne Menschen sind, sich für mich interessieren. Ich, der W.F., im Vergleich zu seinen so sehr viel interessanteren Klassenkameraden z.B.
Das tatsächliche Zusammensein mit einer schönen, klugen, aufregenden, begehrten Frau versetzt mich auch heute noch, über ein Jahrzehnt später, in einen euphorischen Ausnahmezustand, die Tatsache, daß ich es bin, ausgerechnet ich, die sie sich "ausgesucht" hat, ist mir nach wie vor ein Wunder.
Ich genieße und genieße und genieße ...
(...)
  W.F. 1967
      W.F. 1967 (danke Uli fürs Bild)

Aus heutiger Sicht sieht der Typ doch gar nicht soo übel aus, oder? Kaum vergehen fünfzig Jahre, schon ist man wieder im Trend. Dummerweise fünfzig Jahre zu alt.
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Sonntag,
19. Februar 2017
Zwei Wochen ohne Computer = keine Gelegenheit, den Blog zu bespielen.

Hier eine kleine Nachlese aus den vergangenen beiden Wochen:

1.) Trübnis gibt es auch im Schwarzwald



Trüber Schwarzwald
      Trüber Schwarzwald
  2.) Schäuble, unser Finanzminister, ist der Ansicht, die Griechen leisteten sich einen höheren Lebensstandard, als sie selbst erwirtschaften könnten, siehe DLF vom 11.2.17.

Hoppla. Tun das denn nicht alle Länder des Westens? Es ist doch der Standardmodus, in dem wir leben: auf Kosten anderer. Wir merken es nur nicht.
Zu diesem Thema sollte man sich mal das Buch Neben uns die Sintflut73 von Stephan Lessenich anschauen. Sein Fazit: "Wir leben nicht über unsere Verhältnisse. Wir leben über die Verhältnisse der anderen."
 



73 LESSENICH, Stephan: Neben uns die Sintflut, Berlin 2016.
Website des Autors: stephan-lessenich.de
 

3.) Bei Freunden habe ich eine Katze angetroffen, die eine spezielle Methode des Versteckspiels entwickelt hat.
  Such die Katze!
      Such die Katze!
 

3.) Im schönen Wasserburg am Inn steht ein Wirtshaus, dessen Betreiber der Apostrophitis und dem Getrenntschreibungswahn, die im Deutschen um sich greifen, quasi in Tateinheit neue Varianten hinzugefügt haben.

Inzwischen hat die ausgleichende Gerechtigkeit dafür gesorgt, dass die Wirtschaft pleite ist.
 

Apostrophitis  und Getrenntschreibungswahn in fortgeschrittenem Stadium
      Unheilbare Apostrophitis in Verbindung mit Getrenntschreibungswahn in fortgeschrittenem Stadium
       
       
  Und zum Schluss noch ein Fundstück aus den alten Tagebüchern:

30. 7. 1979

(...)
Barcelona: Genau, was ich mir erwartet habe: Großstadt, Leben, Lebendigkeit, Geldrausschmeißen (in bescheidenem Umfang, hauptsächlich C.'s), U-Bahnfahren, Ramblas, Biertrinken auf der Plaza Real (endlich wieder vernünftiges Bier nach dem französischen Labberzeug). Kontakte zu jungen Spaniern: Toni (der mich von Figueras bis B. mitgenommen hat), Gemma, Marta, Blas. Parque Güell, Sagrada Familia und eine Corrida in der Plaza de Toros Monumental.
Der Stierkampf: Sechsmal die letzte Viertelstunde im Leben eines großen Tieres, das nur für diese Minute gezüchtet wurde. Es geht schnell, elegant, routiniert und blutig über die Bühne. Öffentliches, wohlinszeniertes Abschlachten. Gladiatorenkampf mit vorherbestimmtem Ausgang. Die Spanier schreien bei gekonnten Bewegungen des Matadors tatsächlich Olé.
(...)
 
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Dienstag,
31. Januar 2017
Die Stechpalme (Ilex aquifolia) ist, wie man weiß, ein schöner immergrüner Strauch oder Baum mit eklig stacheligen Blättern und roten Früchten. In Europa kommt nur diese eine Art der Gattung Ilex vor.

Spaziergänge in abgelegene, schwer zugängliche Wälder können manchmal botanische Erfahrungen erfreulich bereichern. Gestern zum Beispiel im hiesigen Gelände. Zwischen Steineichen, verwilderten Edelkastanien und allerlei sonstigem Gestrüpp fanden wir folgendes Exemplar:
 
Ilex mit gelben Beeren
  Zwar gibt es offenbar gelbfrüchtige Zuchtsorten (selten), von wild vorkommenden Ilex mit gelben Beeren ist aber in der gesamten Fachliteratur nichts bekannt. Dass es sich bei unserem Exemplar um eine ausgebüxte Ziersorte handelt, halte ich für sehr unwahrscheinlich, hier mitten in der gebirgigen Wildnis, weitab von Siedlungen und Gärten. Auch unreife Beeren kommen Ende Januar nicht in Frage. Ich tippe auf eine Mutation. Ist unter meinen Lesern ein Botaniker/eine Botanikerin, der/die mir mehr dazu sagen kann?    
 
Ilex mit gelben Beeren, gleich neben der üblichen rotfrüchtigen Variante
 
Gelbfrüchtige Ilex aquifolia. Einziges Exemplar unter vielen rotfrüchtigen Geschwistern
   
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Freitag,
27. Januar 2017
Derzeit herrscht an meinem Winterwohnort derart trübes Wetter, dass sogar die Hamburger sich davon noch eine Scheibe abschneiden könnten. Beim täglichen Gang zum Briefkasten muss ich fast durchs ganze Dorf, und dabei fiel mir gestern auf, dass auch die Trübnis ihre besonderen Reize haben kann. Beim Klick auf das Bild rechts öffnet sich eine Galerie mit trüben Bildern. Für depressiv Veranlagte vielleicht weniger geeignet.



Die trübe Galerie
      Die trübe Galerie
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Donnerstag,
26. Januar 2017
Himmelstagebuch



  26.1.2017, 11 Uhr 02   26.1.2017, 11 Uhr 02
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Mittwoch,
25. Januar 2017
Die zweite Disziplin im hiesigen Wintersport:

Die Geschenke des Waldes kleinsägen – zusammenklauben – heimbringen (– einheizen)


 
Waldgeschenke, ab- und kleingesägt Waldgeschenke auf dem Heimweg
   
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Dienstag,
24. Januar 2017
Himmelstagebuch



  24.1.2017, 18 Uhr 04   24.1.2017, 18 Uhr 04
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Donnerstag,
19. Januar 2017
Ein paar Überlegungen zur Amtseinführung von Donald Trump.

Was die allseits verbreiteten Katastrophenbefürchtungen angeht, bin ich (vorerst wenigstens) eher zurückhaltend. Die USA haben in den letzten Jahrzehnten ihre internationale Politik in sehr geringem Maße verändert. Welcher Präsident auch im Weißen Haus regiert hat, es war immer das Gleiche. So gehe ich erstmal davon aus, dass sich aus europäischer oder globaler Sicht gar nicht so viel ändern wird. Westliche Politik läuft sowieso immer auf dasselbe hinaus: Wir sind der Markt. Denn, wie überall in der kapitalistischen Welt, sind es ja nicht die Politiker, die das Sagen haben. Diejenigen, die tatsächlich die Fäden ziehen, werden auch die Kasperlfigur Trump in ihrem Sinne tanzen lassen. Er wird keinen Widerstand leisten.

Wie schaut man in anderen Weltgegenden auf Trump: Die Monde diplomatique zitiert in ihrer Januarausgabe den Ecuadorianischen Staatschef Rafael Correa mit den Worten: Er [Trump] ist derart grob, dass er in Lateinamerika eine Reaktion hervorrufen wird, die die Position der progressiven Regierungen in der Region stärken könnte.

Und, so habe ich heute im Radio gehört, Trump ist der Ansicht, seine Regierungsmannschaft sei diejenige mit der höchsten Intelligenz in der ganzen amerikanischen Geschichte. Bravo! Ich war immer schon der Meinung, dass nichts auf der Welt so gerecht verteilt ist wie die Intelligenz. Jeder glaubt, genug davon zu haben.

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Mittwoch,
18. Januar 2017
Im Süden ist der Winter anders. Vor allem ist es das Licht, das eine andere Qualität hat. Eindrücke von meinem (fast) täglichen Spazierweg:

 
Spaziergang in der Wintersonne Spaziergang in der Wintersonne Spaziergang in der Wintersonne Spaziergang in der 
Wintersonne
   
       
 
Januar in Bardou: rechts gefriert das Wasser, links blüht das Immergrün Gefrierender Wasserüberlauf Blühendes Immergrün (Vinca major) Gefällte fünzigjährige Zedern und ihr Ersatz: ein Mandelbäumchen
Januar in Bardou: rechts gefriert das Wasser, links blüht das Immergrün Gefrierender Wasserüberlauf Blühendes Immergrün (Vinca major) Gefällte fünzigjährige Zedern und ihr Ersatz: ein Mandelbäumchen
   
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Montag,
16. Januar 2017
Nachtrag zu den Nachrichten des Wochenends. Vor allem zwei Meldungen reizen mich zum Zitieren:

Erstens die Erklärung der CDU-Abgeordneten Erika Steinbach zu ihrem Austritt aus der Partei, der sie seit 1974 angehörte. Frau Steinbach kam im Januar 1945 als Kleinkind zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus dem vom Deutschen Reich besetzten Polen (Hinterpommern), wohin ihr Vater 1941 als Soldat versetzt worden war, nach Schleswig-Holstein. Sie engagierte sich später für die Belange der Heimatvertriebenen, war von 1998 bis 2014 Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. In einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau vom 8. Mai 2015 (dem 70. Jahrestag des Kriegsendes) erinnert sie sich, wie die Flüchtlinge aus dem deutschen Osten von den Menschen im Westen aufgenommen wurden:
Die Bauern ließen uns deutlich spüren, dass wir nicht willkommen sind. Meine Mutter klaubte nachts die übriggebliebenen Kartoffeln aus dem Acker, wir Kinder liefen monatelang barfuß, weil nur die Einheimischen Marken für Schuhe bekamen. Als meine Mutter einmal nach etwas Milch für meine sehr kranke jüngere Schwester fragte, hörte sie: ‘Ihr seid ja schlimmer als die Kakerlaken!’
Die Zahl der nach dem Krieg aus den deutschen Ostgebieten nach Westdeutschland Geflüchteten beläuft sich auf knapp zwölf Millionen Menschen. Erika Steinbach begründet ihren Parteiaustritt in erster Linie mit der Flüchtlingspolitik der CDU, die sie nicht nur, aber in erster Linie der Bundeskanzlerin ankreidet. Sie spricht von einer
einsamen Kanzlerentscheidung [...], mehr als eine Million Migranten ungesteuert und unüberprüft monatelang nach Deutschland [...] einreisen zu lassen.

(siehe auch meine Einträge zum Flüchtlingsthema vom 20. September 2015 und vom 21. März 2016)



Die zweite Meldung betrifft die Nahost-Konferenz in Paris, die (wie immer) mit einem Appell an Israelis und Palästinenser zur Aufnahme direkter Friedensgespräche zu Ende gegangen ist. Und wie immer hält man die Zwei-Staaten-Lösung für das Gelbe vom Ei. Zitat aus der Abschlusserklärung:
Eine Verhandlungslösung mit zwei Staaten, Israel und Palästina, die Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben, ist der einzige Weg zu dauerhaftem Frieden.
Mir scheint eher, dass Aufrufe dieser Art der einzige Weg zur Verhinderung einer Lösung sind. Ich verstehe nicht, wieso die Konstruktion von zwei Staaten ein Ende des inzwischen über ein Jahrhundert alten Problems bringen könnte, wenn dabei die Bewohner des einen Staats ständig über das Territorium des anderen Staats fahren müssen, um von einem Teil ihres Landers in den andern zu gelangen. Die gegenseitige Abhängigkeit wird zunehmen. Zwar besitzt Palästina (und ) seit November 2012 den Beobachterstatus der Vereinten Nationen, einen Palästinenserstaat auf den Autonomiegebieten halte ich aber für nicht lebensfähig, schon gar nicht mit israelischen Regierungen, wie man sie seit Jahrzehnten kennt.
Die Aufteilung der arabischen Welt: das Sykes-Picot-Abkommen 1916
      Die Aufteilung der arabischen Welt: das Sykes-Picot-Abkommen 1916. Grundlage aller Probleme bis heute.
  Zwei-Staaten-Lösungen sind im Verlauf des Konflikts bereits mehrfach gescheitert, was kein Wunder ist, wenn man sich die Landkarte mit der Verteilung der Siedlungsräume anschaut ( rechts). Im Verlauf der letzten hundert Jahre gab es Teilungsvorschläge quasi am laufenden Band (siehe die Karten unten), angefangen mit dem Sykes-Picot-Abkommen 1916 zwischen Großbritannien und Frankreich im Ersten Weltkrieg (rechts oben).   Palästinensische Autonomiegebiete: rot = palästinensisch besiedelt, weiß = de facto israelisch, die palästinensische Autonomiebehörde erhebt auf diese Gebiete Anspruch
      Palästinensische Autonomiegebiete: rot = palästinensisch besiedelt, weiß = de facto israelisch, die palästinesische Autonomiebehörde erhebt auf diese Gebiete Anspruch. (Die Karte ist das Ergebnis eines Interimsabkommens über das Westjordanland und den Gazastreifen von 1995)
 
Teilungsplan der Peel-Kommission (1938), später Plan A der Woodhead-Palästina-Kommission Teilungsplan B der Woodhead-Kommission 1938 Teilungsplan C der Woodhead-Kommission 1938 Teilungsplan der UN 1947
Teilungsplan der Peel-Kommission (1937), später Plan A der Woodhead-Palästina-Kommission Teilungsplan B der Woodhead-Kommission 1938 Teilungsplan C der Woodhead-Kommission 1938 Teilungsplan der UN 1947
   
 

Es folgten noch der Allon-Plan von 1967/1970 (s. rechts), benannt nach dem stellvertretenden israelischen Ministerpräsidenten Jigal Allon, sowie die Camp-David-Abkommen I und II (1978 zwischen Anwar as-Sadat und Menachem Begin bzw. 2000 zwischen Ehud Barak und Jassir Arafat). Die Camp-David-Treffen brachten nicht einmal mehr Landkarten zustande.

Eine Zwei-Staaten-Lösung kann bestenfalls eine Übergangslösung darstellen, und das müssten beide Seiten auch so anerkennen. Das Ziel kann auf Dauer nur ein einheitlicher Staat für alle Bürger auf dem Gebiet Palästina-Israels sein, in dem jeder seine individuellen Rechte als Mensch und Staatsbürger ohne diskriminierende Unterschiede genießen kann. Der derzeitige Zustand, in dem eine Volksgruppe sich ein historisches Recht auf Landnahme auf Kosten der anderen Gruppe zusammenphantasiert71, nachdem es das Land weitgehend ethnisch gesäubert72 hat, kann keinen Frieden bringen.

Vor allem die internationalen Mächte sollten dies einsehen.
  Teilungsplan von Jigal Allon 1967
      Teilungsplan von Jigal Allon 1967. Die Siedlungen der Palästinenser sollten damals noch an Jordanien gehen, von einem palästinensischen Staat war keine Rede.



      71 siehe: SAND, Shlomo: Die Erfindung des jüdischen Volkes – Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand, Berlin 2001

72 siehe: PAPPE, Ilan: Die ethnische Säuberung Palästinas, Frankfurt am Main, 2007
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Sonntag,
15. Januar 2017
Erste Sätze (20)


Alan Alexander Milne, Pu der Bär (Winnie-the-Pooh, 1926)

Hier kommt nun Eduard Bär die Treppe herunter, rumpeldipumpel, auf dem Hinterkopf, hinter Christopher Robin.
Christopher Robin mit Pu, Zeichnung: E. H. Shepard (1926)
      Christopher Robin mit Pu
© E. H. Shepard
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Freitag,
13. Januar 2017
Freitag der Dreizehnte. Drei Einträge ins Himmelstagebuch



  7.1.2017, 17 Uhr 17   7.1.2017, 17 Uhr 17
  12.1.2017, 11 Uhr 45   12.1.2017, 11 Uhr 45
  13.1.2017, 16 Uhr 33   13.1.2017, 16 Uhr 33
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  Ein aufmerksamer Leser meines Blogs – er stammt wie ich aus dem Bayerischen – hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass Semmelknödel ja immer aus mehreren Semmeln gemacht werden und daher logischerweise (Karl Valentin sei's gedankt) Semmelnknödeln heißen müssen. Dem stimme ich voll und ganz zu. In meinem speziellen Fall des französisch-bayérischen Freundschaftsessens liegt die Sache allerdings so, dass die Knödeln aus einem alten Baguette hergestellt wurden. Somit entsteht ein schwerwiegendes Benennungsproblem. Ich bitte um Vorschläge.

(Zur Information: aus einem Baguette können etwa fünf bis sechs Knödeln entstehen. Im Übrigen waren diese K. hier schon einmal Thema)
   
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Sonntag,
8. Januar 2017
Es war am 8. September 1962 (das genaue Datum musste ich erst nachschlagen), als Charles de Gaulle im Zug seiner – man muss sagen: historischen – Deutschlandreise nach München kam. Ich war damals knapp 15 Jahre alt, ging in die 5. (heute 9.) Klasse Gymnasium, und unsere Lehrer gaben uns schulfrei, damit wir den Gast aus dem Land, das bis kurz vor meiner Geburt noch Kriegsgegner gewesen war, begrüßen konnten. Man hatte uns im Rahmen der wiederentdeckten Freundschaft zu den Nachbarn zu sechs Wochenstunden Französisch verdonnert, und das Fach musste ohne Abwahlmöglichkeit bis zum Abitur durchgezogen werden (wofür ich später dankbar war).

Platz der Begegnung de Gaulles mit den Münchnern war die Feldherrnhalle, ein Ort, der in der deutschen Geschichte auch einmal eine höchst unrühmliche Rolle gespielt hatte ( Hitler-Ludendorff-Putsch). Die Münchner, inklusive meiner Person, empfingen den Gast enthusiastisch. Was mir bis heute unter anderem in Erinnerung geblieben ist, sind die Abschiedsworte de Gaulles (auf deutsch, mit charmanter Betonung): Es lebe die französisch-bayérische Freundschaft!

Zwar ist gerade kein 9. September, ich habe mir aber dennoch erlaubt, heute ein weiteres Mal der französisch-bayérischen Freundschaft zu gedenken, indem ich mein Abendessen aus Spezialitäten beider Länder komponiert habe:



Es lebe die französisch-bayérische Freundschaft!
      Lammkoteletts mit Semmelknödeln
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Donnerstag,
5. Januar 2017
Die alljährliche Wintersportsaison ist eröffnet. Vier Ster trockenes Buchenholz, auf 35 Zentimeter Länge geschnitten (für meinen Ofen), wollen vom Abladeplatz am Dorfeingang bis zu meinem Holzschuppen (aufwärts!) verfrachtet werden. In eine Kiepe (dieses Ding, womit während der Weinlese die Trauben eingesammelt werden/wurden, und das etwa fünf Kilo wiegt) passen ca. 20 Kilo Holzscheite rein (eigentlich viel mehr, aber das ist inzwischen meine Grenze, dazu klemme ich unter jeden Arm noch ein Trumm à 2,5 kg). Ein Ster trockenes Buchenholz wiegt zwischen dreihundert und vierhundert Kilo, wobei mein Brennholzlieferant wie hier üblich unter Ster den sogenannten Schütt-Ster versteht. Zwischen der Abladestelle und meinem Haus sind es etwa 200 Schritte (über Stock und Stein).

Frage: wieviele Schritte muss ich laufen (einschließlich Rückweg), bis die vier Ster bei mir im Schuppen sind?

(Ich habe keine Ahnung.)



 
Holzlieferung Holztransport (Wintersport) Holz hinter der Hüttn
   
 
vorher 200 Schritte
(und zurück)
nachher
   
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Mittwoch,
4. Januar 2017
Ich setze das Himmelstagebuch fort, der Blick aus meinem Fenster fordert das unbedingt.



  4.1.2017, 17 Uhr 31   4.1.2017, 17 Uhr 31
  Ich stelle fest, dass mir zur Zeit die Tage auffällig langsam vergehen. Sehr angenehm. Etwas Besseres kann einem in meinem Alter gar nicht passieren – und an der zusätzlichen Schaltsekunde an Silvester wird's kaum liegen.    
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Dienstag,
3. Januar 2017
Zwar hole ich mir hier am Ort meines Winterschlafs nur noch zum geringeren Teil das Brennholz aus dem Wald, aber für die Geschenke, die mir die Natur (oder besser: der sterbende Kulturwald) in dieser Hinsicht macht, bin ich trotzdem immer noch dankbar. In diesem Winter liegen gleich zwei dieser Geschenke in der Nähe meines Hauses:
 
Geschenk Nr. 1 Geschenk Nr. 2
   
  Bei beiden Geschenken handelt es sich um verwilderte Edelkastanien, die aus Schößlingen ihrer (kultivierten) Elternbäume gewachsen waren. Da diesen Wald seit hundert Jahren keiner mehr pflegt, wächst alles, was wachsen will, wild durcheinander. Früher waren die Edelkastanien die Hauptkultur dieser Region, beinahe jeder Baum hatte seine eigene Terrasse. Die wilden Nachkommen wachsen meist irgendwo auf schrägem Untergrund, manchmal auch mitten in alten Terrassenmauern, und haben keinen guten Halt im Boden. Sie erreichen nur noch einen Bruchteil des Alters ihrer Eltern.    
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