WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Freitag,
12. Januar 2018
Lüste

Neue Lektüre zum (eigentlich schon abgeschlossenen) Projekt. Ich blättere, lese ein paar Seiten und lege das Tagebuch drauf – und das Thema verwandelt sich ...



Die Lust am Busen
  ... ah, alles in Ordnung. Das Böse kehrt zurück.   Die Lust am Bösen
      Lüste
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Mittwoch,
10. Januar 2018
Gute Nachrichten, wohin man schaut und hört: Der türkische Präsident Erdoğan hat erklärt, sein Land, die Türkei sei heute "in Sachen Pressefreiheit, Kommunikations-Technologien, soziale Medien und Internetjournalismus eines der führenden Länder der Welt". Großartig.

Da wir außerdem seit ein paar Tagen wissen, dass in den USA mit Donald Trump ein "sehr stabiles Genie" regiert, brauchen wir uns um um diese beiden Länder schon mal keine Sorgen mehr zu machen. Was beneiden wir sie um ihre Präsidenten!

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  Ich möchte meine Leser auf einen schönen Blog aufmerksam machen: Rätsels Bewohner (Themen siehe rechts). Für Hamburger: im S-Bahnhof Jungfernstieg hängt an Gleis 1 ein Schaukasten mit Gedanken aus dem Blog. Themen bei Rätsels Bewohner  
      Themen bei "Rätsels Bewohner"
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Freitag,
5. Januar 2018
Die alten Tagebücher

8. April 1980

Die alten Tagebücher sind gut geeignet, um mit ihnen auch das Neue Jahr zu beginnen. Die Situation ist noch dieselbe wie beim letzten Mal, am Strand von Nueba (Sinai).
(...)

C. sieht sich von mir vernachlässigt. Ich merke, daß ich mich oft auf mich selbst zurückziehe, sobald ich mich an einem Ort wohl und zuhause fühle. Baue eine Art Selbstgenügsamkeit auf, unter der die Beziehung leidet, fühle mich zuweilen auch von ihr eingeengt. Weiß gleichzeitig, daß das vorübergeht.

Der leichte Wind hat auch lästige Eigenschaften: ich bin es lieber selbst, der die Seiten umblättert. Was wirklich an die Nerven geht, sind die dreisten Fliegen. Sie scheinen von Tag zu Tag zahlreicher zu werden. Glaube mit Autan leichten Erfolg zu haben.

Ab heute keine Badehose mehr an, der weiße Hintern leuchtet jetzt.

(Autan verklebt den Kugelschreiber, dazu Sand, ekelhaft) Habe nur noch ganz starken Tabak zum Rauchen, Van Nelle zware shag ("special quality"), ein fürchterliches Kraut, gäbe es nichts anderes, wäre das Rauchenaufgeben ein geringes Problem.

(...)

Gestern abend eigenartiges, leicht deprimierendes Erlebnis: War mit Tom verabredet, um im Supermarkt des Moshav einkaufen zu können, an dem Tor, wo er letztesmal reingegangen ist. War da, an einem Tor, und gerade zur ausgemachten Zeit war ich plötzlich (nein, nicht plötzlich, es war nur der Schluß einer Kette von Zweifeln) der Überzeugung, es könne nicht das richtige Tor sein, vor dem ich da warte. (Der Platz hier ist groß und kompliziert.) Fragte einen, der da rumstand, nach dem Haupteingang zum Moshav, er beschrieb mir den Weg, ich hin, das war natürlich ein völlig anderes Tor, konnte auf keinen Fall das gemeinte sein, ich wieder zurück, unterwegs zur Orientierung noch zu einem kleinen Seiteneingang, als ich zurück war, war es fast 1/4 nach 7, eine halbe Stunde über der Zeit. Fragte die Wache am Tor nach Tom, nichts. Inzwischen bin ich sicher, dass das doch das richtige Tor war. Ich dachte immer, daß solche Sachen immer nur anderen Leuten passieren würden, ich sei dafür zu gründlich und vorsichtig. Dachte, dass ich alt werde.

(...)

Ein Beduine mit einem Kamel kommt vorbei, ein junger Mann in einem angeschmutzten langen weißen Gewand, hält mir eine Melone hin, will mir welche verkaufen. Der Preis hamesch (5) lirot, ich will drei kaufen, suche nach dem Geldbeutel und mir fällt ein, daß ihn C. mitgenommen hat. Ich mache es ihm bedauernd klar, er versteht, setzt sich aber trotzdem zu mir, fragt mich nach einer Zigarette, ich biete ihm den Tabak an, drehe mir selbst auch eine.

Ein Militärwagen fährt vorbei, "Ischraelim!" sagt er verächtlich, ich sage, yes, militär, er fragt mich: good? ich verneine, wir sind gleicher Meinung: not good! Ich drehe ihm noch eine zum Mitnehmen, er schenkt mir die Melone, die er mir zuerst gezeigt hatte, dann steht er auf, geht weiter: "shalom" – "shalom".

Gerade nochmal im Wasser gewesen, ca. 1/2 Stunde bevor die Sonne hinter den Bergen untergeht (– diese Fliegen scheuen sich nicht, einem in die Nasenlöcher zu kriechen!). Da war der Löwenfisch von heute morgen wieder, an der selben Stelle. Er lauert an dem kleinen Felsabsturz, nahezu unbeweglich und vollkommen ohne Scheu, wenn man sich ihm nähert: ich bewege unter Wasser meinen Fuß auf ihn zu, er zuckt nur leicht zurück, weicht höchstens einen Meter aus, kehrt dann sehr langsam wieder zurück. Denke, daß ich selten ein so schönes Tier gesehen habe: Er ist etwa 25 cm lang, seine Grundfarben sind braun und weiß. Der eigentliche Körper beträgt vielleicht 15 cm, gestreift wie ein Zebra und kantig geformt wie bei den Kofferfischen, er hat zwei große, ruhige schwarze Knopfaugen, mit langen fühlerartigen Stielen darüber, die wie Hörner nach oben stehen, ebenso, kleinere, unter dem Maul. Der Schwanz ist fast größer als der Körper, dreigliedrig und durchsichtig, seidenartig, mit runden braunen Punkten. Aber das Prächtigste sind seine Seitenflossen, beide ebenso groß wie der ganze übrige Körper, sie bestehen aus etwa einem Dutzend federartiger Blätter, sind weit vom Körper abgespreizt, ebenfalls braun-weiß gemustert und sehen auf den ersten Blick wie enorme Stacheln aus. Er hat seinen Namen sicher daher, daß ihn dieser Schmuck wie eine gewaltige Mähne umgibt. Er sieht sehr gefährlich aus, und seine betont langsamen Bewegungen, sein Lauern und seine offensichtliche Furchtlosigkeit unterstreichen diesen Eindruck von Gefährlichkeit.

Er war nicht weit unter der Oberfläche, so konnte ich mit der Brille halb unter Wasser gehen und ihn aus nächster Nähe klar betrachten.

(...)

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  Es lohnt sich wieder, das Himmelstagebuch aufzuschlagen: Ein ständig wiederkehrendes Wetterphänomen ist der Streifen voller Licht, draußen über dem Meer, während bei uns in den Bergen der Himmelbewölkt ist.
 
 


4.1.2017, 17 Uhr 31
  4.1.2018, 17 Uhr 00
  5.1.2018, 17 Uhr 31   5.1.2018, 17 Uhr 17
       

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