WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Montag,
13. August 2018
Die alten Tagebücher

25. April 1980

Zwar steht noch der Besuch in Luxor bevor, schon machen wir aber (im Zoo von Kairo) Pläne zur Rückkehr nach Europa.
ألمانيا – Ich kann mein erstes arabisches Wort schreiben (Deutschland), wahrscheinlich wirds auch das einzige bleiben, ich mach nur den Brief- und Postkartenempfängern zu Hause gern die Freude, ein Γερμανία, גרמניה oder eben ألمانيا zu entdecken. Kleinen arabischen Sprachführer entdeckt, in der Deutschen Buchhandlung Lehnert & Landrock auf der Rückseite unseres Blocks.

Einen wunderschönen Nachmittag im Zoologischen Garten verbracht (Eintritt: 5 Piaster), die meiste Zeit an einem Tisch in einem kleinen Café gesessen, an einem stehenden Gewässer, unter den großen Blättern einer Fächerpalme, ringsum viele Bäume, fast alle unbekannt (aßer Eukalyptus, Rattan und den Palmen), ein friedlicher Ort. Sonst: viel Betrieb im Zoo, die Sonntagsnachmittagsbeschäftigung der Kairoer scheint zu sein, in den Zoo zu gehen, gesamte Familie, dort zu picknicken oder Ball zu spielen, Musik zu hören und herumzulaufen und -sitzen. Manche haben uns mit den ausgestellten Tieren verwechselt.

Neue Pläne geschmiedet, Alternative München oder Bardou zugunsten Bardous entschieden. Wahrscheinlich (100% ist bei uns ja sowieso erst, wenn wir's Ticket in der Tasche haben) Flug oder Schiff nach Spanien oder Portugal, alles eigentlich wie schon lange vorgehabt, halt unter Auslassung der anderen nordafrikanischen Länder. Außerdem reicht dafür unser Geld wahrscheinlich nicht mehr, wir werden uns welches nach Bardou schicken lassen müssen.

Idee, dort Hühner zu halten.

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Luxor, 29. April 1980
(...)

Heute mit der Fähre (die billige, es gibt auch eine "Touristenfähre") über den Nil, zusammen mit dem amerikanischen Paar nach langen zähen Verhandlungen ein Taxi gemietet, Tal der Könige besucht (Amenophis II, Ramses IV, Tut-ench-Amon). Teuer. Brütend heiß, grelles Licht. Tempel der Hatschepsut, zwei Gräber der "Vornehmen" (Wandmalereien).

Mit der Fähre zurück, ein Bier am Nil, wir werden zu diversen anderen Bieren eingeladen, der Nachmittag endet mit einer Bootsfahrt zur Bananeninsel, zwei reiche angesoffene Ägypter laden vier arme Reisende ein. Bananeninsel ist ein traumhafter Ort.
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Sonntag,
12. August 2018




Bilder von unterwegs (9)

Neulich auf der Schwäbischen Alb: ein "Informations"plakat der chemischen Industrie.

Rezept: Man wähle ein Feld, auf dem robustes Unkraut (Beikraut, Wildkräuter ...) sich gegenüber den pflegebedürftigen Kulturpflanzen durchgesetzt hat. Das war in diesem Sommer kein Problem, man musste nur NICHTS machen, schon gar nicht hacken, striegeln oder ähnliche Maßnahmen ergreifen, die im ökologischen Landbau Standard sind. Dann schreibe man einen Text wie den gezeigten auf ein Schild und stelle es am Feldrand auf. Dabei streue man Worte wie Schutz, ganzheitlich oder sicher in den Text. Fertig ist eine "Information" über die Unentbehrlichkeit von chemisch-synthetischem Pflanzenschutz.
Plakat der "Pflanzenschützer"
      Plakat der "Pflanzenschützer"
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Samstag,
4. August 2018
Bilder von unterwegs (8)

Deutschland ist Europameister beim Verpackungsmüll. Diese Nachricht ging vor ein paar Tagen durch die Medien, z.B. hier. Kurz danach finde ich im Bad meines Hotelzimmer sowas:
Wegwerf-Zahnputzbecher aus Plastik, in Plastikfolie eingepackt
      Wegwerf-Zahnputzbecher aus Plastik, in Plastikfolie eingepackt
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Sonntag,
29. Juli 2018
Wieder drehe ich beim Zubereiten des Frühstücks das Radio an, Sonntagsgottesdienst, ohne Erwartungen. Doch anders als bei früheren Gelegenheiten erlebe ich eher angenehme Überraschungen: ich höre einen Text über den Sommer von Hanns Dieter Hüsch (... leise Monate. Dass er das Geschrei aus der Welt nimmt und Stille verordnet ... Dass er den Kriegern das Handwerk aus den Händen nimmt ...), eine wunderbare Interpretation von Gershwins Summertime (... one of these mornings you gonna rise up singing then you spread your wings and you take to the sky ...) und eine Stelle aus dem Matthäusevangelium, die ich sehr schätze und deren Gehalt wir uns alle mehr zu eigen machen sollten:
... Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch ... Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen ...
Und sogar in der Predigt der Pfarrerin tauchen Sätze auf wie: ... ich genieße, was der Augenblick mir bietet.

Geht doch, möchte man sagen. Zeit meines Lebens habe ich mich an solche und ähnliche Grundsätze gehalten, oft mit Zweifeln, ob ich das Richtige tue. Jetzt, da ich in absehbarer Zeit (trotz lebenslanger Arbeit) der Altersarmut in Form der sogenannten Grundsicherung im Alter entgegensehe (natürlich eine Folge dieses Lebensstils), weiß ich, dass es recht war, so zu leben. Auch, weil ich mich von anderen Menschen getragen fühle. Und das ist viel wertvoller als eine dicke Rente.

Im Übrigen kam der Gottesdienst aus einer kleinen Kirche am Giesinger Berg in München, an der mich viele Jahre lang mein Schulweg vorbeigeführt hat.
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Sonntag,
22. Juli 2018
Gelegentlich entdeckt die Wissenschaft kuriose Dinge. Kann sein, dass es aber auch die Wissenschaftsjournalisten sind, die Entdeckungen kurios formulieren. Neulich jedenfalls hat wissenschaft.de, der Online-Dienst der Zeitschrift Bild der Wissenschaft, einen Artikel über den Vormenschen Paranthropus robustus veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen der Vorfahren des Menschen, dessen Linie aber wieder ausgestorben ist. Das Interessante an dem Artikel ist die Vermutung der Wissenschaftler, warum dieser Frühmensch ausgestorben sein könnte. Es heißt:
Dieser Zeitgenosse und enge Verwandte des Australopithecus lebte bis vor rund 900.000 Jahren im Einzugsgebiet des Limpopo-Flusses im Südosten Afrikas und besaß kräftige Kiefer und einen eher stämmigen Körperbau. Lange vermuteten Anthropologen, dass sich dieser Vormensch eher einseitig von Nüssen, Samen und anderen harten Pflanzenteilen ernährte – und deswegen letztlich ausstarb.
Träfe diese Vermutung zu, sollte man Vegetarier (mehr noch Veganer), die sich hauptsächlich von derartigen Dingen ernähren, nachdrücklich warnen. Weiter erwähnt der Artikel, man habe inzwischen herausgefunden, Paranthropus habe "durchaus zwischen Blättern, Kräutern und Samen einerseits und Gräsern andererseits" gewechselt. Das macht die Sache nicht besser. Pflanzliche Nahrung, so könnte man aus dem Artikel schließen, führt zum Aussterben.


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Sonntag,
15. Juli 2018
Die alten Tagebücher

24. April 1980

Vier Tage nach der Ankunft in Kairo. Wenn Reisende in Südamerika von Verdauungsbeschwerden heimgesucht werden, nennt man das gerne Montezumas Rache. In Ägypten scheint es so etwas wie Kleopatras Rache zu geben.
Den gestrigen Tag mit Bauchweh und Scheißerei verbracht. Schuld daran war wohl weniger die ägyptische Küche, auch nicht das Wasser, das durchaus in Ordnung, halt gechlort ist, sondern die wilde Hineinschütterei eisgekühlter Getränke in den ersten Tagen. Also zur Strafe ins Bett. Vielleicht habe ich diesen Ruhetag auch psychisch gebraucht, um mich vom Fremdsein und dem Streß zu erholen, der mich so oft an fremden Orten überfällt, bis ich mich dann nach einigen Tagen mit der neuen Umgebung arrangiert habe.

Gelesen: Körner: Meine Frau ist gegangen, ein heilsames Buch für alle, die glauben, daß das Leben ein Verliebt-verlobt-verheiratet-Spiel ist. Wichtig für Männer.

Praktisch nichts gegessen, zum Frühstück Tee, ein bißchen am Brot gemümmelt, abends nur wenig Reissuppe gekocht. Die Kur hat mir sehr gut getan, heute wieder gesund.

Ausflug mit dem Bus (Linie 8 ab Tahrir Sq., 5 Piaster) zu den Pyramiden von Gizeh. Den ganzen Tag dort verbracht, genossen. Cheops-, Chephren- und Mykerinospyramide von innen und außen besichtigt, viele oft lästige Ägypter abwehren müssen, die einem ständig Kamel-, Esels- oder Pferderitte andrehen wollen oder kaltes Cola verkaufen wollen.

Man darf sich nicht vorstellen, die Pyramiden stünden einsam in der Sandwüste Ägyptens. Sie liegen am Stadtrand von Kairo (Gizeh ist westlich gelegene Vorstadt), gleich daneben ein 5-Sterne-Luxushotel mit Swimmingpool, die Bäume der Parks sind nahe, dazu Autos, Menschen, die Dunstglocke Kairos. Trotzdem: Eindrucksvolle, einmalige Bauwerke. Eine schier unfaßliche Fülle an gehauenen Steinquadern, fühlte mich an Berge erinnert. Bei der Chephren-Pyramide sind noch große Teile der Verkleidung zu erkennen (Granit, bei der Cheopspyramide Alabaster!). Verkleidet, glattpoliert und in der Sonne glänzend müssen sie fantastisch schön ausgesehen haben.

Die Grabkammern: Meditationsplätze in dumpfer Luft. Beim Rückweg zum Bus ein Trupp Neckermänner und -frauen auf Kamelen, eine fette deutsche Hausfrau fragt den neben ihrem Kamel hergehenden Ägypter: Sprechen Sie deutsch?, verbessert sich gleich, um ihren Standesunterschied zu betonen: Kannst du deutsch? Schlimm.

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Samstag,
14. Juli 2018
Eigentlich wollte ich nichts mehr zu Donald Trump schreiben, gelegentlich ist die Versuchung aber doch groß. In der vergangenen Woche hat er auf dem Natogipfel in Brüssel allerhand Unverschämtheiten und Dummheiten losgelassen (wir sind inzwischen daran gewöhnt). Die Süddeutsche Zeitung hat am Donnerstag mit feinsinniger Bosheit reagiert. Sie veröffentlichte dieses Foto, und die Bosheit liegt in der Unterschrift, genauer: in dem, was in der Klammer steht.

Chapeau!



Wer ist der Außerirdische vorne rechts?
      Bildunterschrift in der SZ:
Die Kontrahenten: Angela Merkel und Donald Trump (vorne rechts) beim sogenannten Familienfoto des Nato-Treffens. (Foto: Ludovic Marin/AFP)
  Derweil wird in der Kratzbürste (am Arbeitssamstag!) schon wieder gefeiert
und die Bienen haben mit der Drohnenschlacht begonnen.
Mittagessen am Arbeitssamstag Drohnenschlacht
Die Kratzbürsten beim Mittagessen am Arbeitssamstag Drohnenschlacht: Arbeitsbienen werfen die Drohnen aus dem Stock, sie werden nicht mehr gebraucht. Drohnen können sich nicht selber ernähren und außerhalb des Volks nicht überleben.
   
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Sonntag,
8. Juli 2018
Ein Wochenende (kein besonderes) in der Kratzbürste



 
Samstagmittag im Hof Samstagnachmittag im Hof Public viewing
Samstagmittag im Hof: Eis für alle Samstagnachmittag im Hof (schon wieder alle beim Feiern) Kratzbürsten-Public-viewing. Das Spiel England gegen Schweden findet nur sehr wenige Zuschauer
   
 
Sonntagmorgen: Schreck im Garten Bienenumzug 'sterzelnde' Bienen Silphie und Karde
Sonntagmorgen, Schreck im Garten: einer der alten Apfelbäume liegt am Boden. Er hat noch viele Wurzeln, wir lassen ihn erst mal so, vielleicht reifen die Äpfel noch aus. Bienenumzug. Die Bienenhaltung soll auf ein neues System umgestellt werden: von Zander auf Dadant (siehe hier). Unruhige Zeiten für die Bienen und den Imker. Hier scheint der Umzug geklappt zu haben: "sterzelnde" Bienen am Flugloch der neuen Beute (bedeutet: die Königin ist hier drin, kommt alle her!). Unterdessen wachsen die Silphie (Silphium perfoliatum) und die Karde (Dipsacus fullonum) in den Himmel. Beide haben schon zwei Meter erreicht (in diesem Jahr wächst alles wie blöd).
   
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