WERNERS BLOG

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  Zeichnung: Wilhelm Busch


Donnerstag,
26. März 2020
Haltet Abstand zueinander!, lautet das Gebot der Stunde, das auch der Bundespräsident heute Morgen in den Mund genommen hat. Wer sich schon vor 170 Jahren diesen Grundsatz zu eigen gemacht hat, war Arthur Schopenhauer (1788-1860), den man als echten Misanthropen kennt.

1851 hat Schopenhauer die Fabel von den Stachelschweinen in seinen Parerga und Paralipomena: kleine philosophische Schriften veröffentlicht:

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so daß sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance! – Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.115


Arthur Schopenhauer
      Arthur Schopenhauer, Daguerrotypie von 1852
     

115 zitiert nach: Projekt Gutenberg
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Freitag,
20. März 2020
Allerorten werden drastische Einschränkungen der individuellen Bewegungsfreiheit verordnet: keine Versammlungen, keine Veranstaltungen usw. Zuhausebleiben lautet die Devise.

Ich sehe Anlass, den französischen Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal (1623-1662) zu zitieren:

Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.
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Dienstag,
17. März 2020
Was hören wir Neues vom Coronavirus? (sowieso stündlich irgendetwas, aber manches davon ist bemerkenswerter als anderes)
  • Die Autohersteller müssen ihre Produktion zurückfahren, da die Lieferketten unterbrochen sind und die Absatzzahlen sich deutlich verringert haben (ob auch der Schutz der Arbeiter vor Ansteckung in den Firmen eine Rolle spielt, ist nicht bekannt)
  • Es gilt eine weltweite Reisewarnung, es fliegen kaum noch Flugzeuge.

Diese Nachrichten müssten eigentlich jeden freuen, dem der Kampf gegen den Klimawandel am Herzen liegt.

Natürlich freut sich keiner wirklich, es wäre auch nicht angebracht, aber interessant ist doch, was so ein Virus zustande bringt. Die Angst davor, dass der Planet den Bach runter geht, scheint um viele Größenordnungen geringer zu sein als die Angst, sich mit einer Art Grippe anzustecken.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich will die Gefahr durch das Virus auf keinen Fall kleinreden, und ich halte die meisten der wirklich drastischen Maßnahmen für gerechtfertigt. Nur frage ich mich, warum diese Entschlossenheit nicht auch zum Schutz des Klimas (dessen Veränderung möglicherweise noch viel größere Auswirkungen als das Virus haben kann) aufgebracht werden kann.

 

Und dann höre ich erneut Lockeres aus Italien (wieder Dank an Ingeborg), siehe rechts:

Man habe die Feierlichkeiten in der Karwoche abgesagt, da vorauszusehen sei, dass der einzige, der sich die Hände wäscht, Pontius Pilatus sein wird.
  Vorbild Pontius Pilatus
      Vorbild Pontius Pilatus
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Montag,
16. März 2020
Hausmittel (made in Kratzbürste, danke Manfred) gegen das Coronavirus:


(Und natürlich halten wir Abstand von- und zueinander, wenn's auch schwer fällt)








Bleibt gesund, ihr alle!
Hausmittel gegen Corona
      "Mädäzän moss bättär schmäcken, sonst nötzt sä nichts!"
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Sonntag,
15. März 2020
Leider: Corona beschert mir die besten Beiträge für den Blog

Erstens: im Radio höre ich, dass die amerikanische Regierung versucht, sich einen Corona-Impfstoff, der derzeit in Tübingen entwickelt wird, exklusiv unter den Nagel zu reißen. Das passt zu Trump.

Zweitens (und das ist gleich die Antwort darauf): Die Türkische Onlinezeitung T24 schreibt (laut DLF-Presseschau):
"Diese Epidemie hat die Wiederwahl von Trump vielleicht unmöglich gemacht hat. So unsympathisch wie jetzt war Trump bisher noch nie, und auch nicht so verantwortungslos. Wenn die Epidemie die USA voll und ganz im Griff haben wird, wird sich die soziale und politische Krise noch deutlicher zeigen. Die Republikaner haben den Bundeseinrichtungen Gelder entzogen, und das Gesundheitssystem ist zutiefst ungerecht. Wenn die Sorglosigkeit des Präsidenten dazukommt, ist es klar, dass die Gesellschaft einen hohen Preis dafür bezahlen wird."
Drittens, und das ist die beste Nachricht des Sonntagmorgens, haben die Italiener ihren Humor noch nicht verloren, siehe rechts (danke Ingeborg).

(Übersetzung: Also, seid ihr echt überzeugt, dass es die Lösung ist um weniger Tote zu haben, Mann und Frau für vierzehn Tage ins Haus zu sperren?)


Allen noch einen schönen Sonntag!
Italienischer Galgenhumor
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Freitag,
der Dreizehnte
Derzeit gibt es auf allen Kanälen nur ein Thema: Corona. Schulschließungen, Betriebsschließungen, Grenzschließungen. Wir verschließen uns, in der Hoffnung verschont zu bleiben. Das alles führt sichtbar zu einer Umwertung aller Werte (Nietzsche):

So hat etwa gestern die Kanzlerin dazu aufgerufen, alles, was den Menschen, dieses Zoon politikon, ausmacht, nach Möglichkeit zu meiden: die Sozialkontakte. Eine Bankrotterklärung.

Mich erinnert dieser Aufruf fatal an eine andere existenzielle Krise, die uns vor 34 Jahren heimgesucht hat: die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Auch damals galt nichts mehr von dem, was bis dahin Standard eines gesunden Lebens war: Frisches Gemüse, frische Milch, Spielen im Freien – alles war von einem Tag auf den anderen lebensgefährlich geworden.

Was sagt uns das? Ich verspreche darüber nachzudenken.
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Dienstag,
10. März 2020




Bilder von unterwegs (12)

Vorgestern im Freiburger Museum für Neue Kunst, beim Besuch der Ausstellung von Bildern des sehr bunten Expressionisten Hermann Scherer, einen brutalen Fall von Kindsmisshandlung entdeckt:

Ob da jemand sein Kind vor den wilden Bildern schützen wollte und es vorsorglich ins Schließfach gesperrt hat ...
Ins Schließfach gesperrt
      Ins Schließfach gesperrt
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Mittwoch,
4. März 2020
Seit einiger Zeit frage ich mich, ob ich ein so beherrschendes Thema wie das Coronavirus wirklich unkommentiert vorübergehen lassen kann. Da bekomme ich heute unerwartet Schützenhilfe von Rudolf Steiner. Der hat sich in einem Vortrag vom 5. Mai 1914, der den Titel "Die Erweckung spiritueller Gedanken als Zeitforderung"114 trägt und ein regelrechter Spiegel für eine durch und durch angstbesessene und materialistische Gesellschaft ist, folgendermaßen über Epidemien und ihre Erreger ausgelassen:
(...)
Nun handelt es sich darum, und das ist das Wesentliche, was heute hervorgehoben werden soll, daß Bazillen nur dann gefährlich werden können, wenn sie gepflegt werden. Pflegen soll man die Bazillen nicht. Gewiß, da werden uns auch die Materialisten recht geben, wenn wir die Forderung aufstellen, Bazillen soll man nicht pflegen. Aber wenn wir weitergehen und vom Standpunkt einer richtigen Geisteswissenschaft davon sprechen, wodurch sie am meisten gepflegt werden, dann werden sie nicht mehr mitgehen, die Materialisten.

Bazillen werden am intensivsten gepflegt, wenn der Mensch in den Schlafzustand hineinnimmt nichts anderes als materialistische Gesinnung. Es gibt kein besseres Mittel für diese Pflege, als mit nur materialistischen Vorstellungen in den Schlaf hineinzugehen und von da, von der geistigen Welt, von seinem Ich und Astralleib aus zurückzuwirken auf die Organe des physischen Leibes, die nicht Blut und Nervensystem sind. Es gibt kein besseres Mittel, Bazillen zu hegen, als mit nur materialistischer Gesinnung zu schlafen. Das heißt, es gibt noch wenigstens ein Mittel, das ebensogut ist wie dieses. Das ist, in einem Herd von epidemischen oder endemischen Krankheiten zu leben und nichts anderes aufzunehmen als die Krankheitsbilder um sich herum, indem man einzig und allein angefüllt ist mit der Empfindung der Furcht vor dieser Krankheit. Das ist allerdings ebensogut.

Wenn man nichts anderes vorbringen kann vor sich selber als Furcht vor den Krankheiten, die sich rundherum abspielen in einem epidemischen Krankheitsherd und mit dem Gedanken der Furcht hineinschläft in die Nacht, so erzeugen sich in der Seele die unbewußten Nachbilder, Imaginationen, die durchsetzt sind von Furcht. Und das ist ein gutes Mittel, um Bazillen zu hegen und zu pflegen. Kann man nur ein wenig mildern diese Furcht durch werktätige Liebe zum Beispiel, wo man unter den Verrichtungen der Pflege für die Kranken etwas vergessen kann, daß man auch angesteckt werden könnte, so mildert man auch durchaus die Pflegekräfte für die Bazillen.
(...)


Ich wünsche allen eine gute Gesundheit.

114 Der Vortrag ist im Band 154 der Rudolf-Steiner-Gesamtaugabe enthalten, S. 46. Diverse Texte von Rudolf Steiner zum Thema sind in einem Taschenbuch erschienen mit dem Titel Stichwort Epidemien, Rudolf-Steiner-Verlag, Basel 2010; 7,90 €
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Donnerstag,
27. Februar 2020
Kurz vor seinem Ende hat sich der Februar doch noch einmal darauf besonnen, dass er eigentlich zum Winter gehört (siehe unten). Also stellen wir einstweilen die Gartenarbeiten wieder ein, verlegen uns dafür auf die Zimmergärtnerei.

Die Amaryllis hat sich wieder – dieses Mal allerdings von meiner Seite unbeabsichtigt – an die Vermehrung gewagt. Wahrscheinlich waren die Fruchtfliegen, die in diesem Winter durchgefeiert haben, daran beteiligt. Vor drei Jahren hatte ich schon einmal von der Amaryllis Samen gewonnen und diese ausgesät. Inzwischen sind daraus einige kräftige – wie heißt der Plural: Amaryllisse, Amaryllen, Amarylliden – gewachsen. (Amarylliden klingt sehr gebüldet!)

Einen weiteren Erfolg hat mir der Kern aus einer Avocado beschert (danke fürs Überlassen, Katharina!), nachdem viele Jahre lang die Versuche einen Kern zum Keimen zu bringen immer wieder gescheitert sind. Über das weitere Wachstum werde ich berichten.

Doch noch Winter
      Doch noch Winter
 
Hochschwangere Amaryllis Amaryllen, aus Samen gezogen Keimender Avocadokern, 4. Februar Keimender Avocadokern am 27. Februar
Hochschwangere Amaryllis Amaryllen, aus Samen gezogen Keimender Avocadokern am 4. Februar (aufgesetzt ca. Anfang Januar) Keimender Avocadokern am 27. Februar
   
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Mittwoch,
19. Februar 2020
Jahr für Jahr kehrt nach dem Karneval (lat. carne vale - Fleisch, leb wohl!) resp. Fasching, Fasnacht usw. die Fastenzeit wieder. Heute in einer Woche ist Aschermittwoch, der Tag, mit dem man vielleicht so etwas wie Mäßigung verbinden würde, an dem aber die Büttenredner aller politischen Parteien sich angewöhnt haben, in den Bierzelten gerade alle Mäßigung fallen zu lassen.

Regelmäßig fühlen sich auch die Kirchen bemüßigt, ihren Schäfchen gute Ratschläge mitzugeben, wie sie denn die Idee des Fastens (also des Verzichts) sinnvoll umsetzen könnten. Einen besonders originellen Beitrag leistet in diesem Jahr die evangelische Kirche, wie ich heute aus einem Radiobeitrag des Dlf erfahren habe. Sie schlägt vor

sieben Wochen ohne ... Pessimismus

zu leben ( hier die Kampagne der ev. Kirche).

Das ist nun mal eine richtig gute Idee, die besonders Hartz-IV-Empfänger, Schwerstkranke samt Angehörigen, Grundeinkommens-Rentner, Wohnungslose usw. ansprechen wird. Die Sendung brachte eine Diskussion, in der diese Schnapsidee (Fasching!) auch gründlich zerrissen wurde, sie erinnere an die "Christenwohlfühlblase evangelischer Kirchentage", sei "einer christlichen Kirche unwürdig" und "dümmliches Lifecoach-Gequatsche". Das sind wenigstens klare Worte, ich lobe mir mein Radio.

Die Kirche gibt zu ihrer Fastenaktion einen Kalender heraus, der Tag für Tag Anregungen geben soll, wie das gehen soll mit dem Pessimismusfasten. Denn selber denken können die Menschen heute ja nicht mehr, sie bedürfen dringend kirchlicher Handreichungen und origineller Ideen.

Helau!

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Sonntag,
16. Februar 2020
Neues vom Klimawandel

Heute Nachmittag auf der Terrasse:

Dazu muss man wissen:
  • ich wohne im Schwarzwald, auf 575 m Meereshöhe
  • das Thermometer hängt im Schatten (falls da Zweifel aufkommen sollten)

Am Ende des Monats wird es wieder einmal heißen: der wärmste Februar seit ...

Was sagt uns das?
16. Februar: Neues vom Klimawandel
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Donnerstag,
13. Februar 2020
Wie man weiß, lebe ich im Schwarzwald. Heute ist mir ein Exemplar des Schwarzwaldmärchens par excellence in die Hände gekommen (nach Jahrzehnten!): Das kalte Herz, von Wilhelm Hauff. Ich war überrascht, als ich den Anfang dieses Märchens gelesen habe und finde, er sollte in meiner Sammlung von Ersten Sätzen nicht fehlen:

  Erste Sätze (31)


Wilhelm Hauff, Das kalte Herz (1827)

Wer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen; nicht der Bäume wegen, obgleich man nicht überall solch unermessliche Menge herrlich aufgeschossener Tannen findet, sondern wegen der Leute, die sich von den anderen Menschen ringsumher merkwürdig unterscheiden.
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Mittwoch,
12. Februar 2020
Die alten Tagebücher (50)

12. Januar 1981

Allein im Häuschen im Moor mit Selbstfindungsversuchen. Dass wir da einen Fernseher hatten, war mir völlig entfallen.
Wieder mal allein am Abend. Das Fernsehen fängt langsam an, in die Abende überzugreifen. Heute: Wenn die Gondeln Trauer tragen.

In C's Zimmer liegt ein Puzzle, das mich – ich hätt's ja nicht geglaubt – in den Bann gezogen hat. Die Zeittotschlägerei droht. Nur wegen des Winters? Bin wenig draußen zur Zeit. Habe wenig Beziehung zu der Umgebung, in der ich lebe. Auch nur der Winter?

Es ist tatsächlich scheußlich kalt. Es liegt viel Schnee, und es ist jedesmal eine Arie, mit dem Auto zum Haus hinterzufahren: Schneeketten rauf, Schneeketten runter. Immerhin haben wir Schneeketten, ohne die ging's überhaupt nicht.

Gedanken über eine "Alternative" in meiner Arbeit*. Nach längerem Rumrühren in den Unmöglichkeiten kam plötzlich wieder die Idee mit dem hölzernen Kinderspielzeug. C. musste mich daran erinnern.

Ich habe wenig eigene Ideen und selbst die wenigen vergesse ich wieder. Vor langer Zeit hat ein Graphologe aus meiner Handschrift gelesen, dass ich gut die Ideen anderer verwerten würde. Allerdings war meine Schrift da noch sehr von meiner jetzigen verschieden. Aber im Grund hat sich wohl nicht viel geändert. Der meinte damals auch, ich sei gut für einen juristischen Beruf geeignet.

(...)

Der Rhythmus, den ich zur Zeit habe, nämlich pro Woche 2 Tage zu arbeiten, im Monat also acht Arbeitstage, der liegt mir schon. 1200,- Mark bleiben da immer übrig, das genügt mir. Frage: wo kriege ich das gleiche Geld bei gleicher Unabhängigkeit? Ich mit meiner Faulheit und meiner Angst vor jedem Schatten von Abhängigkeit tu mir da sehr schwer.

Das tiefverschneite Land, mein eingefrorener Garten, sie nehmen mir meinen Optimismus bezüglich der Gärtnerei im kommenden Jahr. Auch die Bienen und die Hühner machen in meinem Kopf Schwierigkeiten**. Wenn ich keine konkreten Schritte vor mir sehe – bezüglich irgendeiner vor mir stehenden Aufgabe – sehe ich bloß Chaos. Und Chaos macht Angst.

Grundproblem bleibt aber die verfluchte Trägheit. Es ist so wunderbar angenehm, nichts zu tun und bloß so in den Tag hineinzuleben. Das Geld reicht immer irgendwie. Mittags ein schönes Frühstück, nachmittags irgendeine Wurschtelei, die man als Tagesarbeit bezeichnen kann, und dann das Tagesziel: das Abendessen. Je mehr Vorbereitung, desto besser. Heute z.B. (allein!) Krautwickel mit Kartoffelbrei, dazu das eingekaufte übrige Hackfleisch zu Fleischpflanzl verarbeitet. Alles einfach köstlich. Natürlich noch zum Nachtimbiß zwei kalte Fleischpflanzl mit Senf zum Fernsehen. Irgendwo ist das ekelhaft, aber irgendwo brauch ich's so. Also gut.



* gemeint ist die Arbeit als Taxifahrer in München

** Sowohl die Bienen- als auch die Hühnerhaltung existierten zu diesem Zeitpunkt nur als Wunschvorstellung

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Mittwoch,
29. Januar 2020
Immer wieder erreicht mich Wunderbares. Heute zum Beispiel dies (tausend Dank, Silke!):




Und glaube ja nicht,
dass der Garten im Winter
seine Ekstase verliert.
Er ist still.
Aber die Wurzeln sind aufrührerisch
ganz tief da unten.



 
   
       
       
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Montag,
27. Januar 2020
Heute habe ich einen wunderbaren Spruch aufgeschnappt, für alle, die ihren eigenen Weg gehen:
 
Du kannst es nicht jedem recht machen. Selbst wenn du über das Wasser gehst, kommt sicher einer und fragt, ob du zu blöd zum Schwimmen bist.
   
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Samstag,
25. Januar 2020
Erste Sätze (30)


Ayelet Gundar-Goshen, Löwen wecken (Leha'ir Arajot, 2014)

Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr. Und als er ihn umfuhr, dachte er im ersten Moment immer noch an den Mond und hörte dann mit einem Schlag auf, als hätte man eine Kerze ausgeblasen.
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Dienstag,
21. Januar 2020
Die alten Tagebücher (49)

8. Dezember 1980

Auf die Schwierigkeiten, die das Leben im verschneiten Moor mit sich bringt, setzt die Bürokratie noch eins drauf.
(...)
Amtsschimmelgeschichte: Wir hatten unser Auto - unser Schiff - am 26. September bei der Zulassungsstelle in Bad Aibling angemeldet, das Kennzeichen RO-KC 155 dafür erhalten. Der Steuerbescheid lautete über 288,- Mark fürs Jahr, fällig am 20.10. (oder 26.10., genau war der handschriftliche Eintrag nicht lesbar). C. überwies den Betrag am 23. Oktober von Hamburg aus von ihrem Konto. Kurz danach kam eine Steuermahnung vom Finanzamt Rosenheim an. Da sich Einzahlung und Mahnung offensichtlich gekreut hatten, haben wir natürlich nicht darauf reagiert. Ca. drei Wochen später kam dann eine zweite Mahnung, das Fahrzeug sei nicht versteuert, Drohung mit der Zwangsstillegung etc. Da ruf ich dann im Finanzamt an: Ja, da sei ein Betrag von DM 288,- eingegangen, aber der Name würde nicht stimmen (das Auto ist auf meinen Namen zugelassen, und C. hatte die Überweisung ausgestellt, das Kennzeichen war natürlich vermerkt!) Wenn ich, der Halter, also erklären würde, die Überweisung, die in einem anderen Namen getätigt worden war (man wusste am Telefon sofort, dass da Geld eingegangen war, und auch C.s Namen), sei das in Ordnung, dann bestünden keine Probleme mehr. Wieder drei Wochen später, als C. ihre Post aus Hamburg nachgeschickt kriegt, ist da auch ein Brief von ihrer Bank dabei, der ein Schreiben des Rosenheimer Finanzamts enthält, in dem dieses den Erhalt von DM 288,- bestätigt, dazu das Kennzeichen (RO-KC 155) angibt, mit dem Vermerk: "Kennzeichen stimmt nicht", und offenbar so tut, als sei da Geld eingegangen, mit dem man nicht wisse, wohin.

Ich habe ja Verwaltungsbeamte schon immer für leicht beschränkt gehalten, aber diese Geschichte könnte mich tatsächlich aufregen, wenn ich mir vorstelle, ich würde Steuern bezahlen, von denen solche Gehirnamputierte leben. (...)

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Sonntag,
12. Januar 2020
Lange habe ich darauf gewartet, dass von verantwortlicher Seite in der Politik einmal ein klares Wort zum Thema Dumpingpreise bei Lebensmitteln kommt. Siehe auch meine Beiträge vom

    16.11.15
    22.12.15
    12.2.16

In einem Interview hat die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Preispolitik der Supermärkte beim Fleisch angeprangert (CDU), siehe Dlf-Nachrichten von heute. Was meint sie damit?


Hier Beispiele aus den aktuellen Prospekten:

 
Edeka ("Supergeile Preise") Aldi Süd ("Meine Metzgerei") REWE ("Genau das Richtige für alle Fleischliebhaber") Lidl ("Lidl lohnt sich")
Edeka ("Supergeile Preise") Aldi Süd ("Meine Metzgerei") REWE ("Genau das Richtige für alle Fleischliebhaber") Lidl ("Lidl lohnt sich")
   
 

Solange die deutschen Verbraucher Fleisch (und andere Lebensmittel) als Wegwerfartikel betrachten, wird sich wenig ändern, weder bei den obszönen Angeboten der Supermärkte und Discounter, noch bei den bekanntermaßen mafiösen Zuständen in der fleischverarbeitenden Industrie.

Eigentlich müsste jedem denkenden Menschen klar sein, dass zu diesen Preisen weder eine einigermaßen artgerechte Tierhaltung, noch ein menschenwürdiges Einkommen der Landwirte noch ein solches der Mitarbeiter im verarbeitenden Gewerbe möglich ist. Ist das den Menschen egal? Offenbar. Wenn jetzt eine Ministerin das Wort ergreift, scheint das Thema immerhin oben angekommen zu sein.

Ja, Leute, auch ihr habt's in der Hand, die Dinge zu ändern: kauft Qualität (am besten Bio), kauft regional (am besten beim Bauern), kauft saisonal, esst weniger Fleisch (dazu rät euch auch der Doktor).

Leider scheinen sich nicht mehr als 20 Prozent der Bevölkerung angesprochen zu fühlen. Dem Rest (der gern Dreck frisst) muss mit Gesetzen nachgeholfen werden. Tun Sie endlich etwas, Frau Minister, mit schönen Worten anlässlich der Grünen Woche (bei der man sich als Politikerin gut in Szene setzen kann) ist niemandem geholfen.
   
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Freitag,
10. Januar 2020
Und auch zum Neuen Jahr ein Gedicht, von Heinz Erhardt



  Aus: Heinz Erhardt, Noch'n Gedicht   © www.imm-photo.de
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